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Teresa Präauer: Für den Herrscher aus Übersee.

Roman.
Göttingen: Wallstein Verlag, 2012.
138 Seiten; gebunden; Euro 17,40.
ISBN: 978-3-8353-1092-6.

Leseprobe

Autorin

Großväter haben in der Literatur nicht so selten die Funktion, die Kinder in das Leben zu führen. Umso mehr, wenn die Eltern nicht da sind. Die Eltern sind auch in Teresa Präauers Romandebüt „Für den Herrscher aus Übersee“ Abwesende. Sie schauen sich die Welt an, von der der Großvater zu erzählen weiß. Immerhin schicken die Eltern täglich eine Postkarte von ihrer Weltumrundung. Der Großvater hat eine Liebe mit klassischem Gewicht zu verdauen, denn die Japanerin, die er einst im Krieg kennenlernte, hat er verlieren müssen. Zwar gibt es eine Großmutter – sonst würde es ja auch keine Kinder geben – doch vergessen konnte er diese Japanerin offenbar bis zum Lebensende nicht, denn sie hat ihn getroffen, und zwar „mitten ins Herz, peng-peng, mitten ins Herz, singt der Großvater jetzt noch ein paarmal, dreht sich und schießt mit gestrecktem Zeigefinger und Mittelfinger in die eigene Brust“ (S.38).

Der Großvater liebt die Inszenierung und deshalb braucht er ein Publikum und dieses Publikum sind die beiden Kinder. Es ist gar nicht eindeutig, wer in diesem Text erzählt, aber in erster Linie ist die Stimme des Mädchens zu hören, das in einer beinahe symbiotischen Beziehung zu ihrem Bruder steht und diesen einen Sommer, von dem hier die Rede ist, etliche vergebliche Versuche starten wird, in die Lüfte zu gelangen. Ist sie die Fliegerin, von welcher immer die Rede ist? Sie ist es und sie ist es nicht. Ist es die Japanerin, die einst als Fliegerin mit ihrer Maschine notlanden musste und in welche sich der Großvater als junger Pilot augenblicklich verliebte?
Es ist ein Buch über das Fliegen, über die Sehnsucht die Dinge von oben klarer zu sehen und sich zu entgrenzen. „Über die Häuser und Bäume hinweg fliegt die Fliegerin mit ihren Vögeln. Das Tuch über den Mund gebunden und den Helm tief in die Stirn gezogen, blinzelt sie in die weiße Sonne, die zwischen den Wolken hervorbricht.“ (S.130)

Es ist auch ein Buch über den Wunsch der Kinder, den Großeltern das Leid zu nehmen.
Zwischen Imagination und Realität pendelt dieser Text, der sich in die kindliche Welt einzufühlen versucht, in welcher diese Grenzen noch nicht klar gezogen wurden und in welcher ein Großvater noch einmal das Wagnis des Träumens riskiert.
Doch dieser Großvater kann auch hart sein. So nimmt er einmal das Lieblingshuhn und köpft es, weil man sich trennen können muss von dem, was man liebt. Er entwickelt mitunter einen pathetischen Ernst in seiner Aufgabe, den Kindern die Welt zu erklären. Nur kurz scheint der Schock die Kinder in Besitz zu nehmen, dann tollen sie weiter auf diesem Bauernhof der Fantasie. Und auch der Großvater kann nicht ein verschlossener Erwachsener bleiben: „Irgendwo zwischen Himmel und Erde hab ich die Japanerin kennengelernt, sagt der Großvater, und hat dabei eine Kinderstimme. Zuerst habe ich nur ihre Frisur gesehen: einen riesigen Korb aus Haaren, zu Zöpfen geflochten und um den Hinterkopf gedreht, besteckt mit Blumen und Vögeln, so war damals die Mode“ (S.14).

Teresa Präauer hat schon in ihrem Debüt als Autorin „Taubenbriefe von Stummen an anderer Vögel Küken“ (Edition Krill, 2009) gezeigt, dass sie gerne in die Luft geht und sich unter Vögel gesellt. Auch in ihrem Beitrag „worüber die Vögel ziehen“ (schreibkraft, 2009) spielt die Vogelperspektive eine entscheidende Rolle für die Wahrnehmung der Welt.
Auch wenn diese Japanerin für den Großvater nach ihrer Heimkehr verloren war, es bleibt eine Erinnerung, die ihn nicht bedroht, sondern nährt und seine Lust am Träumen bewahrt. So wie auch dieses Buch die Lust am Träumen und der Erfindung des eigenen Lebens zu bewahren sucht. Es ist im übrigen ein Marmeladeglas, welches der Großvater mit dem Etikett „Herrscher aus Übersee“ versieht.

Alexander Peer
1. Oktober 2012

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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