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Barbara Frischmuth: Der Sommer, in dem Anna verschwunden war.

Roman.
Berlin: Aufbau, 2004.
367 S.; geb.; Eur[A] 18,90.
ISBN 3-351-03023-1.

Leseprobe

Autorin

Und wieder ist es Barbara Frischmuth gelungen, die stets geheimnisvollen Charaktere in den zuweilen kryptisch anmutenden Texten aus ihrer Feder so zu zeichnen, dass man die Figuren gerne begleitet und ihr Schicksal verfolgt. Dies gilt auch für den neuen Roman "Der Sommer, in dem Anna verschwunden war", der wieder mit viel Auslassungen arbeitet. Er wirkt mehr im Unterbewusstsein, bietet keine erzählte Geschichte im üblichen Rahmen an, verlässt sich auf die Mitarbeit der Leser. Doch genau dies dürfte der Grund sein, dass er solch ein Themenspektrum bieten kann, denn er erzählt nicht eine Geschichte, sondern greift Themen auf und bietet sie zur Reflexion an:
Was hat es mit dem Altern auf sich? Wie sieht es mit der Liebe aus, ist sie alltagstauglich? Was geschieht, wenn eine Gesellschaft Menschen ausgrenzt, weil sie anders sind? Was geschieht, wenn Einzelne sich selbst ausgrenzen, wenn das Ausgegrenztsein eine Trotzreaktion ist? So und ähnlich stellen sich die Fragen.

Doch was geschieht eigentlich? Da ist Anna, Mutter zweier Kinder, verheiratet mit Ali, der einst als Flüchtling kam und den Anna in Berlin kennen lernte. Sie studierte dort Orientalistik, brach das Studium aber ab und heiratete Ali, als sie schwanger wird. Die beiden leben gemeinsam in Annas kleiner österreichischer Heimatstadt, in die sie von Berlin aus gingen. Sie betrieben eine Gastwirtschaft, mussten sie aber verkaufen und kellnerten nun wieder für den Lebensunterhalt der Familie.

Und jetzt, viele Jahre später, die erstgeborene Tochter ist 14 Jahre alt, verschwindet Anna einfach. Plötzlich ist sie weg, als hätte sie sich in Luft aufgelöst, entschwunden aus dem Leben ihrer Familie, ohne irgendein Zeichen hinterlassen zu haben. Ist sie tot? Ist sie untergetaucht? Wer ist eigentlich Anna, fragen sich die, die sie kennen bzw. zu kennen glaubten? Wird sie wieder kommen?

Die Antworten bekommt der Leser aus verschiedenen Perspektiven. Das sind Annas Ziehmutter, ihre leibliche Mutter, ihre Tochter und schließlich ein Fotograf, der Anna für eine Reportage fotografiert hatte. Sie denken über Anna nach, versuchen zu ergründen, was geschehen sein könnte und sind in ihren Reflexionen auch immer mit ihrem eigenen Leben konfrontiert. Oder sie suchen nach einem neuen Fixpunkt im Leben. So Annas Tochter, die sich auf die islamischen Wurzeln ihres Vaters besinnt und sich plötzlich zum Kopftuch bekennt.

Wollte Anna einfach nur ihrem Glück hinterherlaufen, so wie es ihre Mutter Irene immer getan hat und deshalb auf die Erziehung ihres Kindes verzichtete, es bei den Großeltern ließ? Anna selbst kommt nicht zu Wort, wir sind gezwungen, den Menschen Anna aus den erinnerten Puzzlestücken der anderen zusammenzusetzen. Naturgemäß ergibt sich damit nicht nur das Bild der Verschwundenen, sondern auch ein Bild der Menschen, in deren Gemeinschaft Anna lebte.

"Der Sommer, in dem Anna verschwunden war" ist eine im Wortsinn anregende Lektüre, die mit leichter Feder geschrieben wirkt. Sicherlich aber war es so, dass der Schreibakt viel Komposition und Arbeit, Nachdenken und Ausprobieren seitens der Autorin forderte. Umso bemerkenswerter, dass der Text nie gezwungen wirkt.

Eva Magin-Pelich
30. September 2004

Originalbeitrag

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