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Christian Loidl: Das unrettbare Ich des Hermann Bahr.

Ein großer Österreicher vor dem Jüngsten Gericht.
Hörspiel.
Regie: Christian Katt.
1 CD, Laufzeit ca 50 Min.
Edition Farnblüte, 2012.
ISBN 978-3-902851-14-707-9.

„Das unrettbare Ich des Hermann Bahr“ ist ein Live-Mitschnitt der Uraufführung am 10. Oktober 2011 in der Hauptbücherei Wien, veranstaltet und produziert von der unermüdlich das Andenken Christian Loidls pflegenden Edition Farnblüte.

Dass sich der gebürtige Linzer Loidl an einem anderen großen Sohn der Stadt abarbeiten musste, ist verständlich. Es ist den spärlichen Angaben auf der CD – an ein Booklet war wohl aus finanziellen Gründen nicht zu denken – nicht zu entnehmen, wann Loidl diesen Text verfasst und ob er selbst eine Realisierung des Hörspiels angestrebt hat. Die Idee ist witzig: Hermann Bahr, der ideologische Verwandlungskünstler und Wendehals, kommt in den Himmel und wird von Gottvater (Ottwald John) durchaus ehrerbietig empfangen, denn „der Kerl hat mich ernst genommen“, also hat er ein würdiges Entrée verdient. In 8 Kapiteln (Track 2 bis 9) liest Petrus (Thomas Northoff) aus dem Lebensbuch-Sündenregister Hermann Bahrs vor, zum Teil mit wörtlichen Zitaten aus Bahrs Schriften. Die Stationen seiner ideologischen Haltungen sind mittlerweile gut bekannt, waren es aber vielleicht bei Niederschrift des Hörspiels noch nicht in dem Ausmaß: Arbeiterbewegung, Deutschtümelei, Antisemitismus, Nervenkunst, Trendforscher, bekennender Österreicher und propagandistischer Katholik und 1914 die obligate Kriegsbegeisterung. Dazu kommt eine schwierige Mutterbeziehung – der Vater kommt bei Loidl nicht vor, hat aber mit Ultimaten oft recht radikal in das Leben des verbummelten Langzeitstudenten eingegriffen –, die im klassisch dualen Frauenbild Hure/Heilige mündet; für den zweiten Part steht dann Ehe Nummer zwei mit der Wagner-Sängerin Anna Mildenburg.

Wie aber kann das alles zusammengehen in einem einzigen Leben? Ist das Erweckungserlebnis nach einer Blinddarmoperation durch Julius Schnitzler, den Bruder Arthur Schnitzlers, im Jahr 1904 eine Erklärung für irgendetwas? Hermann Bahr (Jean Karl Klasmann) versucht immer wieder etwas zu „erklären“, gelingen kann es kaum, auch wenn er sich betont „linzerisch“ artikuliert, weil das sympathisch und recht bescheiden wirke, die eingespielten Zitate aus seinem Werk zeugen gewissermaßen gegen ihn. Track 10 bringt die Auflösung: Es ist Ernst Machs „unrettbares Ich“, das als appellable Instanz aufgehört hat zu bestehen und nur noch als Idee und Sammelort von Gefühlssensationen existiert. Der Teufel (Michael Ernst) hat sich also zu früh gefreut und geht leer aus. Hermann Bahr wird in das Geblöke der vielköpfigen ich-losen Schafherde aufgenommen und der Herrgott als guter Hirte geht mit ihr spazieren.

Es ist eine nette kleine Trouvaille, angereichert mit musikalischer Untermalung von Martina Cizek, Christian Katt, Jean Karl Klasmann (Flöte), Wolfgang Musil und Gerhard Novak.

Evelyne Polt-Heinzl
7. November 2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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