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Thomas Sautner: Der Glücksmacher.

Roman.
256 Seiten; geb.; Euro (A) 20,60
.
Berlin: Aufbau Verlag, 2012.
ISBN 978-3-351-03510-5.

Leseprobe

Autor

Das Buch eines deutschen Schuldirektors verspricht „Glück kann man lernen“ und tatsächlich haben Schulen in Österreich und Deutschland ein Unterrichtsfach „Glück“ eingeführt. Während Wolf Haas in seiner „Verteidigung der Missionarsstellung“ die Frage „WIE GEHT GLÜCK?“ auf später verschiebt und sie vielleicht einfach einmal „HERUNTERAXOLOTELN“ wird, legt der 1970 geborene, im Waldviertel und Wien lebende Schriftsteller Thomas Sauter dazu einen ganzen Roman vor: „Der Glücksmacher“.
Haas macht mit zwei Sätzen klar, dass der Frage nachzugehen aussichtslos ist, Sautner erzählt uns das auf gut 250 Seiten.
Er stellt seinem Roman ein die Realität wohl treffendes Schopenhauer Zitat voran: „Im Allgemeinen freilich haben die Weisen aller Zeiten immer dasselbe gesagt, und die Toren, das heißt die unermessliche Majorität aller Zeiten, haben immer dasselbe, nämlich das Gegenteil, getan; und so wird es denn auch ferner bleiben.“

Damit ist auch das Buch genügend charakterisiert. Die Hauptfigur, der Versicherungsangestellte Sebastian Dimsch, ist versorgt mit Glücksratgebern und den gedruckten Gedanken von „Aristoteles, Platon, Sokrates, Epikur, Kant, Nietzsche“, aus denen er auf Kärtchen Passagen abschreibt und damit sein Zimmer tapeziert, eine Beschäftigung, die weder als ernsthaftes Nachdenken bezeichnet werden kann, noch ihn in die Lage versetzt, sein Leben im Sinne jener Gedanken zu verändern. Es ist klar, wir haben es mit einem zum Scheitern bestimmten Projekt zu tun.
Freilich ist Pseudophilosophie, selbst wenn sie sich von vornherein lächerlich macht, verführerisch, und Sebastian Dimsch verfällt ihr selbst und hat damit in der Versicherung einigen Erfolg. Er beeindruckt seine Mitarbeiter mit seinem „Personal“ (Epiktet, Hesse ...) in Mails, verunsichert die Geschäftsleitung, wird auf das Projekt einer „Glücksversicherung“ angesetzt, lässt seinen Mitarbeitern freien Raum, den sie nützen, um im Büro ein seetaugliches Schiff zu bauen, oder was auch immer.

Verständlich, dass der Ton im Roman heiter ist, die Missverständnisse groß und das Ende bitter. Die Spannung darf ein Rezensent ja nicht auflösen. So viel allerdings, Alkohol ist für Dimsch der Königsweg zum Glück, am Anfang und am Schluss.
Neben Dimsch spielen noch andere unglückliche Rollen, die Vertreter der Chefetage etwa und Dimschs recht biedere Frau sowie seine anstrengenden Kinder. Hervorgehoben wird noch der aus Nordkorea stammende Laufbursch der Firma, der eine besondere Karriere hinlegt. Fast verdrängt hätte ich jetzt eine Maus und einen Raben, die - so wird suggeriert - nicht wenig zu sagen haben.

Wer wissen möchte, wer sich zumindest einmal oberflächlich mit der perennialen Frage nach dem Glück beschäftigt hat, erfährt in diesem Roman, der deshalb nicht gleich ein Unterrichtsbuch für das oben genannte Schulfach ist, einige Namen und kann, falls ihn diese Art heiteren Geblödels anspricht, schmunzeln oder lauthals auflachen, aber die Frage nach dem Glück keinen Deut besser beantworten. In einem Artikel im „Standard“ weiß Thomas Sautner, dass derartige Fragen „am zielführendsten in einer Geisteshaltung der lakonischen Ironie beantwortet“ werden. Eine schnell durchschaute Art von Ironie bildet auch den Grundton der Erzählung, lakonisch sind 256 Seiten allerdings nicht gerade.

Helmut Sturm
9. Jänner 2012

Originalbeitrag
Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.


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