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René Freund: Liebe unter Fischen.

Roman.
Wien: Deuticke, 2013.
208 Seiten; gebunden; Euro 17,90.

ISBN 978-3-552-06209-2.

Leseprobe

Autor

Eine Schreibblockade, nein, eine veritable Lebenskrise hat den erfolgreichen Dichter Fred Firneis heimgesucht. Mitten im lebhaften Bergmannkiez in Berlin-Kreuzberg verkriecht er sich in seiner verwahrlosten Wohnung und hat mit dem Leben an sich, besonders aber mit der Literatur abgeschlossen. Sehr zum Leidwesen von Susanne Beckmann, seiner Verlegerin, deren finanzielles Überleben von einem neuen Gedichtband des Poeten abhängt.
Die einzige Chance, Fred Firneis wieder zum Dichten zu bringen sieht sie darin, ihn in eine verwunschene und jegliche moderne Infrastruktur entbehrende Hütte am Elbsee in den österreichischen Alpen zu verbannen. Wo es keine Ablenkung gibt, sollen die Natur und die Einsamkeit den Künstler inspirieren.
Fred Firneis, der sich dort keineswegs wohl fühlt, wird durch einen Erdrutsch und die eigene Unfähigkeit sich in der Natur zurechtzufinden gezwungen, in der Hütte zu bleiben. Er freundet sich mit dem Förster August an. Ein Naturbursche, der die einfachen Lösungen liebt und der ideale Gegenpart zum Feingeist Firneis aus der Großstadt ist. Eine fast homoerotische Anziehung stellt sich ein. Gegenseitig begehren sie zuweilen das Leben des Anderen. Die Freundschaft spiegelt zugleich den alten Kontrast zwischen Stadt und Land, zwischen dem Einfachen und der ausdifferenzierten Kulturwelt.

Aber richtig interessant und aufwühlend wird für Fred Firneis das Dasein am Elbsee erst, als er die slowakische Biologin Mara, die das Sexualverhalten der Fische im Elbsee erforscht, kennenlernt. Für den Dichter ist sie ebenso anziehend wie sie sich, gleich einem Fisch, immer wieder lachend seinen Annäherungsversuchen entzieht und doch dabei das Balzverhalten der Fische imitiert.
Als sie den Elbsee studienbedingt verlässt, hält auch Firneis nichts mehr in der Naturidylle und er kehrt nach Berlin zurück. Doch was soll er in Berlin, wenn seine Angebetete vielleicht schon längst wieder an den Elbsee zurückgekehrt ist? Aber auch Mara, die eine ganz andere Identität ihr Eigen nennt, fragt sich, was falsche Spiele und Lügen sollen, wenn die wahre Liebe ins Spiel kommt.
Es kommt zum großen Showdown zwischen allen vier Hauptpersonen, Fred Firneis, Mara, der Verlegerin Susanne und dem Förster Anton, in dem Lug und Trug ebenso offengelegt wie die echten Gefühle füreinander entdeckt werden.

René Freund spielt in diesem heiteren Unterhaltungsroman gekonnt mit den unterschiedlichsten Gattungen. So ist dieser Künstlerroman auch ein Aussteigerroman, eine Liebesgeschichte, ja sogar ein kleiner Entwicklungsroman von Menschen, die in der Mitte ihres Lebens stehen und nach dem Sinn desselben suchen. Der Autor hat keine Angst vor Klischees, im Gegenteil, geradezu lustvoll spielt er mit ihnen. Was bei anderen oft platter Kitsch ist, wird bei ihm ironisch gebrochen, ohne dass sich der Autor versucht sieht, seine Figuren lächerlich zu machen. Im Gegenteil, man spürt die Sympathie von René Freund für seien Figuren, gerade auch in ihren menschlichen Schwächen, was diesen Roman so ansprechend macht.

Dem Autor gelingt dies nicht nur durch seine flüssige Schreibweise, die Lust macht das Buch 'auf einen Rutsch' zu lesen, sondern auch durch zahlreiche kleine Details, die sich aufeinander beziehen. So hat zum Beispiel der Förster August eine Nixe auf den Unterarm tätowiert. Dieses Motiv wird nicht nur durch die schwimmende Biologin Mara aufgegriffen, sondern auch durch die Eigenart des Bergmenschen August, nicht schwimmen zu können. Aber er träumt von Nixen, die ihn im Wasser retten. Das ganze gipfelt darin, dass Fred Firneis zwar keine Nixen, aber andere Fabelwesen, nämlich Wasserelfen tanzen sieht und sich von seiner Verlegerin in Briefen aufklären lässt, dass sich sein Name Alfred „Der von Elfen Beratene“ oder „Der mit Elfenhilfe rät“, teilweise auch mit „Elfenfürst“ deuten lässt und der Elbsee auch als Elfensee interpretiert werden kann. Dieses und viele andere Motive durchziehen den Roman, ohne dass Widersprüche entstehen oder Motive im Sande verlaufen. Eine Begabung, die man viel zu selten in der Unterhaltungsliteratur findet.
Der Roman ist wechselweise in Tagebuch- und in Briefform geschrieben. Hier greift René Freund ein schlüssiges Gliederungsmittel auf, das er schon in seinem Buch "Wechselwirkungen" verwendet hat, um die zeitliche Dynamik der Geschichte zu strukturieren.
Das Buch ist gelungene Unterhaltung und hat das Zeug zum Publikumserfolg, und das obwohl oder gerade wegen eines so spröden Themas wie der Schreibblockade eines Lyrikers.

Spunk Seipel
27. Februar 2013

Originalbeitrag
Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.



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