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Kostalova, Dagmar; Schütz, Erhard (Hg.) Großstadt werden! Metropole sein!

Bratislava, Wien, Berlin. Urbanitätsfantasien der Zwischenkriegszeit 1918-1938.
Frankfurt/M., Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien: Lang 2012.
224 S.; geb.; EUR 44,80.
ISBN 978-3-631-63579-7.

Die Implosion der gesellschaftlichen und politischen Ordnung in Mitteleuropa, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte, ebenso wie die technologischen und verwaltungstechnischen Modernisierungsschübe durch Kriegswirtschaft und Kriegshandlungen, führten in den 1920er Jahren zu einer neuen Positionierung der Großstadt mit entsprechenden Debaten zwischen Euphorie und ersten Folgekostenabschätzungen.
Eine dreijährige Kooperation zwischen der Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin und der Philosophischen Fakultät der Comenius-Universität Bratislava untersucht unter dem Titel „Strittige Moderne. Modernisierungs- und Antimodernisierungsdiskurse der Zwischenkriegszeit“ das Thema Großstadt gleichsam quer zur etablierten Rangordnung der Metropolen. Die sah die Rollenverteilung zwischen dem pulsierenden Berlin und dem gemütlichen Wien vor und nahm Bratislava kaum in den Blick. Und so sind die Aufsätze zur (Selbst)Positionierung der Slowakei und ihrer neuen Hauptstadt Bratislava, gleicherweise in Konkurrenz zum nahen Wien wie zum ferneren Prag, besonders spannend.

Der einleitende Aufsatz von Erhard Schütz mit dem Titel „'Vermessenheit, Städte beschreiben zu wollen'. Eigenarten, Allianzen und Konkurrenzen der Stadtprofile“ am Beispiel Berlin und Wien führt in die Thematik wie die Bildproduktion der Diskurse ein und nutzt dabei eine neue Anschlussstelle zu den etwas in den Hintergrund gerückten Theorien Georg Simmels. Jozef Tancer nimmt den Brand des Ghettos in Pressburg/Bratislava 1913 um zu zeigen, wie entlang des Katastrophennarrativs vorübergehend Grenzen wie Vorurteile aufgehoben scheinen – es war im übrigen auch der erste Einsatz der Wiener Feuerwehr außerhalb der Landesgrenzen –, die dann rasch und oft besonders heftig wieder in die angestammten Selbst- und Fremdbilder einrasten. Ludmila Horka analysiert die Figur der Prostituierten als Phänomen der moralischen Diskurse rund um das Dispositiv Großstadt in der slowakischen Literatur. Drei Beiträge untersuchen die Großstadtdiskurse in der slowakischen wie deutschsprachigen Presse in Bratislava, die nach 1918 ohne Einschränkungen weiter existierte; gleich zwei Mal steht dabei die „Bratislava Zeitung am Abend“ im Mittelpunkt. Zwei Einzeluntersuchungen zu Elsa Grailich und Stefan Zary beschließen den Bratsilava-Block und geben ein konkretes Bild von den Ungleichzeitigkeiten und nationalen wie sozialen Verwerfungen durch die historischen Umbrüche.

Mit Wien beschäftigt sich Robert Schwarz am Beispiel von Musils „Möglichkeitssinn“ und Otto Neuraths Arbeit an Konzepten der „Gesellschaftstechnik“. Saibne Eickenrodt analysiert Robert Walsers Berliner Prosaskizzen als erzählte Topographien und Andreas Degen beschreibt die Arbeit an literarischen und architektonischen Alternativen zur Großstadt im Umkreis des Diskussionszirkels „Gläserne Kette“; im Zentrum steht dabei die interdisziplinäre 'Kooperation' zwischen dem expressionistischen Schriftsteller Alfred Brust und dem schreibenden Architekten und Städteplaner Bruno Taut, die nicht nur ihre Herkunft aus Ostpreußen einte, sondern auch die Überzeugung: „Steinhäuser machen Steinherzen“ (S. 208).

Auch wenn der Band vielleicht kein ganz rundes Bild ergibt und die Beiträge mehr zufällig aneinandergereiht wirken, enthält er eine Vielzahl von neuen Aspekten und Blickrichtungen. Das Projekt zeigt jedenfalls einen vielversprechenden Weg, den kulturhistoirsche Projekte zum Thema Literatur und Kultur der Zwischenkriegszeit verstärkt einschlagen müssten. Denn der Schnitt durch den Zusammenbruch der Monarchie war ein politischer, der mentale wie kulturelle Ausschluss der einstigen Kronländer erfolgte keineswegs so radikal, wie die spätere Entwicklung im Zeichen des Kalten Krieges wahrhaben wollte. Auch in diesem Aspekt hat der Kalte Krieg – wie bei der Rezeption der antifaschistischen Literatur unmittelbar nach 1945 – zum Schaden aller Beteiligten Literaturgeschichte geschrieben.

(red)
14. März 2013

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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