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René Freund: Stadt, Land und danke für das Boot.

Realsatiren.
Wien: Picus-Verlag, 2002.
140 S., geb., EUR 16.90.
ISBN 3-85452-460-9.

Link zur Leseprobe

Stadt, Land und danke für das Boot ist ein ungewöhnlicher Buchtitel. Angeblich ist Daniel Glattauer (der dag im Standard) für den besseren Teil des Titels verantwortlich. Bloß, welcher Teil ist der bessere?

Stadt und Land: Das sind für Freund Wien und das oberösterreichische Almtal, zwei Orte, zwischen denen er pendelt. Der zweite Teil des Titels Danke für das Boot stammt von einer köstlichen Geschichte, nachzulesen auf Seite 27. Darin geht es um ein Danaergeschenk, natürlich ein Boot, Hagelschaden, um Euphorie, ungeplante Investitionen und einen kleinen Barsch, der 2000 Euro billig war.

Stadt, Land und danke für das Boot ist eine Sammlung von realsatirischen Glossen, die René Freund für das EXTRA, die Feuilleton-Beilage der Wiener Zeitung, geschrieben hat.
Freund im Almtal: Darum dreht sich ein Großteil der Glossen. Eine Familie (Freund Frau Söhnchen Jakob Hündin Aicha), dazu das Rauschen des Almflusses, Hühner, Mäuse, das Fußballlokalderby zwischen Grünau und Scharnstein, ein fast gekaufter Traktor, ein geschenktes Boot, Sauna- und Zahnarztbesuche, beide traumatisch. Witzig und pointiert beschreibt Freund diesen Kosmos, das Leben eines Städters auf dem Lande.

Schreibkrisen werden vom kleinen Liebling, der hyperaktiven Hündin Aicha, ausgelöst, die partout nicht einsehen will, dass das Herrl schon genug Auslauf gehabt hat und - was für ein Spielverderber - sich lieber seiner Arbeit, einen Zeitungsartikel zu verfassen, widmet. Sind die Probleme überwunden, ist der Text fertig, warten schon die nächsten Schwierigkeiten, nämlich die strengen Blicke der Lektorin: Wenn ich schreibe "jedesmal" fordert sie "jedes Mal" ein, und wenn ich schreibe "jedes Mal" urgiert sie "jedesmal" . Schreibe ich "allzu viele" macht sie "allzuviele" daraus und vice versa. Kein Wunder, dass Freund es solcherart zu Stande gebracht hat, in seinem vorletzten Buch nicht einen einzigen Satz richtig geschrieben zu haben.

A propos Fehler: Trotz einer aufmerksamen Lektorin schlägt immer wieder einmal der Fehlerteufel zu: Da wird Zürich zur Hauptstadt der Schweiz, schleichen sich Stilblüten wie Forscher, die eine Höhle erforschen ein. Halb so schlimm. Freund berichtet schadenfroh von einem Reiseprospekt, der mit dem Slogan Braun sein ohne weißen Streifen für einen FKK-Urlaub warb. Peinlicherweise wurde das r in Streifen vergessen.

Köstlich ist seine Glosse über die Unart mancher Küchenkaiser, ihre Gerichte durch sprachliche Schönfärberei hochzustapeln. Da heißt es dann Schmankerln vom Vollmilchkalb oder Trilogie vom Spargel, wird der gemischte Salat zur Variation von knackfrischen Gartensalaten. Zu Recht fragt sich Freund, warum unser geliebter Leberkäse eigentlich nicht unter Soufflé von Schlachtabfällen firmiert.

Jakob, Freunds Filius, dürfte ein gewisses Sprachtalent von seinem Papoti (so nennt er seinen Vater) mitbekommen haben. Der kleine Sprachschöpfer hat das Wort Krommen erfunden, ohne aber festzulegen, worum es sich dabei eigentlich handelt. Was sind Krommen? Krommen sind überhaupt Dinger mit einem starken Eigenleben, sie widersetzen sich gern: Krommen purzeln von der Wäscheleine; Krommen fallen aus dem Mund; Krommen springen vom Tisch; Krommen eignen sich hervorragend als virtuelle Wurfgeschosse; Krommen bleiben nicht auf ihrem Platz sitzen. Krommen wohnen im Wald, können aber auch gegessen werden. Vor kurzem soll Jakob am Wickeltisch gerufen haben: Liebe Kromme - bitte komme! Mal sehen, was aus dem Kleinen einmal wird.
Ein Buch voller Sprachwitz und Humor, ungewöhnlicher Einsichten und feinsinniger Beobachtungen. Ich habe Stadt, Land und danke für das Boot genüsslich verschlungen!

 

Peter Landerl
2. Oktober 2002

Originalbeitrag

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