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Leseprobe: Barbara Aschenwald - Omka. Roman

Omka sah ihn jetzt offen an und sagte schließlich ganz deutlich: "Ich bin - anders als die anderen."
Trotz des Ernstes, mit dem sie das sagte, und der Mühe, die er sich gab, sie zu verstehen, konnte er nicht anders. Ständig las er von Leuten, die solche pathetischen Sätze als ganz neue Idee des menschlichen Subjektes an sich äußerten, jenes Kind mit schrecklichem Vornamen musste etwas Besonderes oder ganz anderes sein, gleich war sowieso nichts mehr, alles war "irgendwie anders", und wer es nicht war, war aus irgendeinem Grunde inexistent.
"Ich bin völlig normal und genauso wie alle anderen" - dieser Satz ist ein Todesurteil, zumindest schien es eine gewaltige Angst vor der Gleichheit zu geben. Über Josefs Verstehen lag ein dünner, abgeschmackter, fader Film, der nicht abzubekommen war. Von tief innen drängte etwas aus ihm heraus, er bemühte sich, es unter zu halten, atmete tief ein und langsam wieder aus, in seinem Blut prickelte der Schaumwein, und plötzlich brach ein Lachen aus ihm heraus, das durch ihr ernstes Gesicht noch schlimmer wurde. Er verlor die Beherrschung, lachte, prustete, und wenn er Omka ansah, musste er noch mehr lachen. [...] Wieso war ihr Zustand offenbar überhaupt nicht klar, die Labilität, das mangelnde Selbstwertgefühl, die Absage vom Krankenhaus. Wäre es nicht einfach eine Befreiung, zu sagen: "Ich bin einfach enttäuscht gewesen und habe deshalb Geld rausgeworfen."
Basta - und daran war ja nicht einmal etwas auszusetzen. Aber nein. Der Zustand eines weiblichen Wesens musste offenbar immer etwas mit dem Übersinnlichen zu tun haben, und jede Bodenberührung schien etwas Banales zu haben. Er konnte nicht anders.

S. 156f.

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