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Leseprobe: Alexander Peer - Bis dass der Tod uns meidet.

Vielleicht war dieser Anfang, dieser Anfang, den sich jeder Verliebte erträumt, eine Art Wirklichkeitsfilter für mich geworden, der es verhinderte, dass ich mich ernst mit mir oder mit ihr befassen konnte. Dieser Traum vom Verlieben hatte die Vormundschaft über mich übernommen. Dieser Traum, der vor dem anderen Menschen steht und so oft den Blick auf den anderen verhindert. Keiner passt auf, Menschen treffen einander, drei-, viermal, sie schleichen sich in das arglose Denken. Aber hatte ich nicht Rebecca gefragt, hinterfragt? Hatte ich nicht Antworten aus ihrem Leben erhalten, und was sollte ich mit ihnen anfangen?
    Die Berührungen wirkten nach, lange nach den Abschieden, als sich das Alleinsein wieder Platz schaffte, um gespürt zu werden. Meist waren es die Berührungen, die mich jemandem vertraut machten, nicht die Offenbarungen. Irgendwann schien es mir so, dass ohnedies jeder Mensch, männlich oder weiblich, bloß ein Ruine der Möglichkeiten ist, die in ihm oder ihr angelegt sind. Warum sollte ich mich also zu sehr ereifern in Aufregungen? "I hope I'm not making it complicated", in dem Moment, in dem sie das aussprach, trat das auch ein. Ich tat so, als wäre von nichts die Rede.

S. 44


Man konnte also schwer behaupten, ich hätte gar nichts aus Beziehungen gelernt. Ich nannte keine einzige Frau, mit der ich mehr als Worte wechselte, Prinzessin. Auch nicht Stute und gab ihr auch keine anderen Attribute aus dem Tierreich? als mich einmal eine Frau inmitten der großen körperlichen Aufregung aufforderte, estwas Derbes zu ihr zu sagen, schrie ich "Buchhalterin, blasierte Buchhalterin". Dramaturgisch betrachtet war dieser Einfall äußerst ungeschickt: Er schuf eine Zäsur und keine Klimax.

S. 144f.


Wie es wäre, ein Kind auf dem Schoß sitzen zu haben und es zu nähren, ihm eine Flasche Milch hinzuhalten oder kleine Löffel mit Brei? Das warme, leichte Haar im Wind flattern zu sehen. Den Becher oder die Flasche wegzustellen, zu warten auf das Kind, immer neu darauf zu warten, was es will, mit ihm zu schaukeln, zu fragen, ob es ein Tag mit großem Appetit sei oder einer mit wenig. Mit dem Kind durch den Wald zu gehen, über Wiesen, durch die Stadt. Dadurch selbst anders gehen zu lernen. Jemanden bei sich zu haben, der neugierig war. Sich zu sorgen um jemanden und dadurch die Angst um sich selbst, dass man etwas Bedeutsames tun müsse im Leben, abzugeben. Sich einen Platz zu geben.

S. 162



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