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Evelyn Grill: Der Sohn des Knochenmann - Leseprobe

Er lag lange im Spital. Lange waren sein Gesicht und sein Kopf unter weißen Verbänden verborgen. Als ihm der Verband abgenommen wurde, schrie Titus vor Schmerzen, seine Mutter lief aus dem Zimmer, ihr war schlecht geworden. Der Vater blieb am Bett sitzen, aber auch er schaute zu Boden. [...] Er glaubte, daß er sich schließlich an sein Aussehen gewöhnen würde, zumal er es vermied, sich im Spiegel zu betrachten. Aber seine Mutter konnte sich nicht daran gewöhnen, in ihren Blicken glaubte er bis zu ihrem Verschwinden das Entsetzen zu lesen. Manchmal Mitleid. Oder, was noch schlimmer war: Abscheu. Abscheu las er in ihren Augen, wenn sie ihn umarmte, wenn sie mit ihrer weichen Stimme sagte, mein lieber, lieber Bub, mein Einziger, mein ein und alles. Sie lächelte ihn an, zärtlich tat ihr Mund, aber in ihren Augen stand das Grauen. Dennoch konnte er nicht aufhören, ihre zärtlichen Worte zu hören, er verschloß die Augen vor ihren Blicken.

Der Vater schaute ihn überhaupt nicht mehr an, seit seine Mutter verschwunden war. Das heißt, er schaute ihn nur kurz an, er blitzte ihn an und senkte dann den Blick zu Boden wie beschämt. Wenn er mit ihm sprach, schaute er zu Boden oder an Titus vorbei, oder er suchte mit seinen Blicken die unverletzte Gesichtshälfte. So kamen sie gut nebeneinander zurecht. Daß man an ihm vorbeischaute, daran war er gewöhnt. Schon in der Schule schien ihm, als sei er für die anderen unsichtbar. Auch die Lehrer hatten Mühe, ihm ins Gesicht zu schauen, in sein zweigeteiltes.

S. 42ff.

© 2013 Residenz Verlag



























































































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