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Fabian Faltin: Sag Ja zu Österreich.

Wien: Milena, 2013
258 S.; brosch.
ISBN 978-3-85286-231-6
Euro (A) 18,90

Leseprobe
Autor
Werke

Jakob Hartweger, Conny Götzlbacher und Rolf von Raulick sind jene drei "Exilösterreicher", von denen Fabian Faltins zweiter Roman Sag Ja zu Österreich erzählt. Was alle drei verbindet, ist die Tatsache, dass sie als Österreicher in Berlin wohnen, und zwar in einer Acht-Personen-WG in Berlin Kreuzberg. Was alle drei noch verbindet, ist die Tatsache, dass keiner von ihnen so recht weiß, was er eigentlich mit seinem Leben anfangen soll. Die drei Kommilitonen sind als Mit-/Endzwanziger dem durchschnittlichen Studentenalter schon eher entwachsen, ihr Leben gleicht aber dennoch mehr jenem freien studentischen Alltag fern großer existenziell-finanzieller Zwänge als einem geregelten, strukturierte, "langweilen" Erwachsenenleben.
Dass die drei ausgerechnet in Berlin leben, ist durchaus kein Zufall. Bewusst wollten sie sich trennen von der faden provinziellen Österreich-Peripherie und sich ins aufregende, urbane, welthaltige Zentrum des deutschsprachigen Raumes begeben, in die Hauptstadt aller kreativen Freiberufler: nach Berlin. Und so führen Faltins Romanhelden eben jenes Berliner Bohemien-Leben, das man in Berlin am beginnenden 21. Jahrhundert eben so führt, bewegen sich von einem Café ins nächste, von einer Bar in die nächste, von einem angesagten Kiez ins nächste.
Alle drei hoffen auf ihre Weise, dass in Berlin ihr Leben endlich "in die Gänge käme", wie es einmal heißt. Nur warten die drei vergebens.
Rolf von Raulick wartet darauf, dem langen Arm seiner dominanten, reichen Mutter zu entkommen, indem er sich auf Praktika bewirbt, wobei sich seine adelige Herkunft als gemeines Handicap erweist; Conny wartet auf ihren den Durchbruch als Singer-Songwriter, schafft es aber nicht, mehr als eine halbe Stunde täglich zu üben; und der noch nicht ganz fertig ausgebildete Grafiker Jakob wartet auch und unternimmt dabei am wenigstens spezifische Schritte, dieses Warten aktiv zu einem Ende zu bringen.
Zusehends werden die drei "Ösi-Karpfen im Berliner Bobo-Teich" bei ihren Stammtischrunden in der WG-Küche immer unzufriedener mit ihrer Situation, sodass sie irgendwann beschließen, Berlin doch wieder zu verlassen und heimzukehren - nach Österreich ...

Dort geht dann jeder wieder seine eigenen Wege: Rolf beugt sich doch seinem Schicksal als reicher Adeliger und tritt sein Erbe an, ein Bootshaus am Traunsee, in dem er dann auch gleich mit der wenig rühmlichen Vergangenheit seiner Familie konfrontiert wird; Conny landet im Familienbetrieb Gasthof Götzlbacher mitten im Tullner Feld, geht auf Männerschau, wird prompt von einem 24h-Installateur geschwängert und später Mutter von Drillingen; und Jakob wird ausgerechnet bei jener Werbeagentur Praktikant, die für eine rechtspopulistische Partei eine neue Wahlkampagne entwerfen darf. Ihn trifft es damit wohl am härtesten, denn die Arbeit schlägt sich letztlich sogar auf seine psychische Gesundheit nieder.

Bei aller latenten Kritik an Österreich, die im Roman mitschwingt, ist das Buch dennoch keineswegs eine aufwendig komponierte, ausgeklügelte, böse Polit-Satire. Es ist keine Abrechnung mit Land und Leuten im Stil der Anti-Heimatliteratur und auch kein zynisch-scharfer Kommentar auf politische Missstände in diesem Land. Faltin, der aus dem Eck der Performance-Literatur kommt, bleibt diesem Stil treu und möchte niemandem ernsthaft wehtun, nichts und niemanden wirklich anklagen, sondern ganz einfach unterhalten. Um ausreichend Pointen zu liefern, spart er auch nicht mit Klischees. Tatsächlich Neues erfährt man in Sa Ja zu Österreich insofern weder über das Berliner Bobo-Leben noch über die ländliche Österreich-Tristezza. Dafür wird man aber wohl einiges aus dem eigenen österreichischen oder Berliner Alltag wiedererkennen. Und darüber wird der eine oder andere wohl durchaus gelegentlich schmunzeln können. Mehr möchte Faltin wohl auch nicht erreichen. Sag Ja zu Österreich ist eine heitere Sommerlektüre für all jene, die Performance/Spoken-Word-Poetry gern haben und auf der Suche sind nach leichter, anspruchsloser Unterhaltung.

Friederike Gösweiner
Mai 2013

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.




































































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