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Leseprobe: Fabian Faltin - Sag Ja zu Österreich

Die drei Österreicher konnten nur noch hilflos herumstehen, zwischen so vielen Berliner Fragezeichen und Sackgassen, wie Statisten am Ende ihrer dreijährigen WG-Programmstaffel. Ihr ohnehin stark eingedämpftes Selbstbewusstsein verblasste noch weiter, so rasch wie auch ihre realen Hoffnungen auf eine brauchbare Fortsetzung verschwanden. Bis zur endgültigen, bereits festgeschriebenen Kapitulation blieben sie jetzt zum bangen Zusehen verdammt, in der nunmehr verdammten Stadt Berlin.
Der lange, lichtvolle Herbst brachte noch einen letzten Anschein von Bewegung, verwehte Blätter in die Hausecken und unter die Büsche, trieb die Menschen in die Cafés zurück, während andere, in bunte Decken gewickelt, immer noch davor saßen und die letzten Sonnenstrahlen aufzutanken versuchten. Vor ihren Augen schneite schon die nächste Generation von Studenten, Touristen, Talenten nach Berlin herein - 150.000 allein in diesem Jahr, wie es in der Berliner Zeitung - hieß -, existenzielle Rollkoffernomaden mit Laptops und halbgaren Plänen im Gepäck, unzählige Varianten des zukünftigen Lebens, endlose Berliner Möglichkeiten und Lebensentwürfe, die sich verzweigten und vervielfältigten, um irgendwann neuerlich in Entscheidungen zu münden, oder zu verpuffen im Nirgendwo.
Das war Berlin.
Übrig blieben sie selbst.
Berlin machte den Österreichern nichts leicht, nicht einmal die Stadt zu verlassen. Nicht einmal, sich selbst zu sein oder sein zu lassen. Ihre geisterhafte, zittrige Präsenz in den schummrige beleuchteten Straßen, auf den Märkten und in den Cafés, am Kanal, bei der Admiralsbrücke und am Kottbusser Tor, oder neuerlich am Küchentisch in der Glogauer Straße, glich einem reglosen Pendel am Tiefpunkt seiner Bahn, in Erwartung eines Anschlags, des alles entscheidenden Ausschlags in die eine oder andere Richtung, der nicht kam und scheinbar auch nicht kommen wollte.
Ein einziges Ereignis in der Heimat deutete darauf hin, dass auch Österreicher nicht zwingend und nicht für immer vom Schicksal vergessen wurden, ewiglich ausgeklammert von allem Glück und Unglück, und dabei noch außerstande, selbst eine Entscheidung zu treffen. Am 11. Oktober 2008 verunglückte ihr weltberühmter Landsmann und Landeshauptmann Jörg Haider, mit 142km/h im Nebel in einen Betonpfeiler gerast, in Lambichl, Kärnten.
Die deutschen Zeitungen berichteten.
Die österreichischen Zeitungen berichteten ausführlich.
Jakob, Rolf, Conny, zu blass und kraftlos, um noch klar zu sprechen oder zu denken, konnten sich kaum fragen oder erklären, was dies alles für sie und für ihre eigene Zukunft in Österreich bedeutete. Einen Impuls, was sonst.

S. 134f.












































































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