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Judith W. Taschler: Die Deutschlehrerin.

Roman

Wien: Picus Verlag, 2013
223 Seiten, geb.
ISBN: 978-3-85452
€ 21,90

Leseprobe
Autorin
Werke

Wer es gewohnt ist, Bücher anzulesen, indem er/sie den Anfang und den Schluss überfliegt, wird beim zweiten Roman der 1970 in Linz geborenen Judith W. Taschler seine Überraschungen erleben. Eine E-Mail vom 27. November 2011 der Kulturservicestelle des Landes Tirol teilt der Deutschlehrerin Mag. Kaminski mit, dass ihr für die Veranstaltung "Schüler trifft AutorIn" ein/e AutorIn zugelost werde. Am 25. Juni 2012 kündigt dieselbe Stelle an, dass im Herbst des gleichen Jahres eine Publikation mit Beiträgen der WorkshopteilnehmerInnen erscheine. Auf den letzten drei Seiten lesen wir den Text der 15jährigen Schülerin Valentina aus der 5a. Es handelt sich dabei um eine Hommage an ihre Deutschlehrerin Mathilda Kaminski.

Aber nein, Die Deutschlehrerin ist kein Schulroman, kein Roman über vorbildliche Lehrer oder glückliche Schüler, obwohl freilich der Beruf der Hauptfigur recht realistisch zur Sprache kommt. Zuvorderst geht es um die Geschichte einer Liebe, die sich von Jänner 2012 bis Anfang Mai 2012 in E-Mails, Erzählungen und Träumen ihrer selbst bewusst wird. Es ist eine Liebesgeschichte, die eineinhalb Jahrzehnte nach ihrem vermeintlichen Ende durch die Kraft des Erzählens einen neuen Anfang findet. Ein besonderer Reiz des Romans macht dabei Judith W. Taschlers souveräner Einsatz verschiedener sprachlicher Verfahrensweisen aus. Die Liebe kennt offensichtlich viele sprachliche Register.

„Seit Mathilda denken konnte, wünschte sie sich eine eigene Familie.“ Ganz anders ihr Lebenspartner Xaver Sand, den sie in einer Germanistik-Vorlesung über Schnitzlers Reigen kennen lernt. Der Jugendbuchautor hat überall in der Wohnung Kondome versteckt. Eines Tages verlässt er Mathilda, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Xaver hat seinen literarischen Durchbruch mit einer Jugendbuch-Trilogie geschafft, deren Grundidee von Mathilda stammt. Judith Taschler kann auch ironisch sein. Xaver schreibt an einem Roman mit dem Arbeitstitel "Geh nicht fort".
Wo Liebe nicht ist, gibt es Verletzungen, auch Rache und Hass. In "Die Deutschlehrerin" ist von all dem auf eine höchst spannende Art die Rede. Dazu kommt noch der Kriminalfall um das verschwundene Kind Xavers aus zweiter Ehe, der den Ausdruck „Psychodrama“ auf dem Klappentext tatsächlich rechtfertigt. Geschickt werden die LeserInnen lange Zeit über die wahren Hintergründe des Dramas im Ungefähren gelassen. Aber da Mathilda offene Schlüsse nicht mag, „sie lassen den Leser unbefriedigt zurück“, wird unsere Neugier schließlich gestillt. Übrigens erwähnt Mathilda mehrmals auch ihre Vorliebe für Happy Ends. Dass das, was sie sich darunter vorstellt, anders als die Hollywood-Version aussieht, ist bald bemerkbar.

Eine These Mathildas ist es, dass jeder Mensch ein Motiv in sich trage, das die Partitur und Melodie seines Lebens prägt. Meistens sei dieses Motiv stark verwoben mit der Herkunft. Im Roman wird dieser Ansatz umgesetzt. Sowohl Mathildas als auch Xavers Herkunft werden ans Licht geholt. Der schon erwähnte Roman Xavers, "Geh nicht fort", handelt von seinem Großvater Richard Sand und spielt in den Jahren 1918 bis 1920. Er enthält auch eine Liebesgeschichte, die die Beziehung zwischen Mathilda und Xaver auf raffinierte Weise spiegelt.

Mathilda werden als „Lebensmotive“ Lebenstüchtigkeit und Schwermut zugeschrieben. Lebenstüchtigkeit meint dabei nicht sozialer Aufstieg und Karriere, sondern das Bewahren einer menschlichen Würde in den Wendungen des Lebens. Sie ist dabei so tüchtig, dass der Bericht über sie an eine Legende erinnert. Der Text der Schülerin am Schluss verstärkt diesen Eindruck. Jedenfalls braucht man nicht zu fragen, wo neben (unter?) all den schicksalhaften Widrigkeiten des Lebens das Positive verborgen bleibt. Es wird in diesem Buch auf ziemlich glaubwürdige Weise sichtbar gemacht.
Es wäre keine Überraschung, hätte die heute mit ihrer Familie in Innsbruck lebende Autorin einen ähnlichen Erfolg wie mit ihrem Debutroman "Sommer wie Winter" aus dem Jahr 2011, der bereits in vierter Auflage vorliegt und dessen Taschenbuch-Ausgabe 2013 erschienen ist.

Helmut Sturm
Juni 2013

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.




















































































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