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Hermann Broch - Dokumente
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Ausstellung im Literaturhaus Wien
3. bis 31. Mai 2001
Öffnungszeiten:
Mo, Di, Mi und Fr von 9 bis 17 Uhr (Eingang: Seidengasse 13)
und während den Abendveranstaltungen (Eingang: Zieglergasse 26A)
Eröffnung am 2. Mai 19 Uhr
ACHTUNG: Verlängert - im Juni findet die Ausstellung in den unteren Bibliotheksräumen während der Öffnunszeiten der Dokumentationsstelle statt.
"... meine sogenannte Seele ist so zerfetzt, Kindi, daß ich in diesen
Fetzenpinkel nur dann Ordnung bekomme, wenn ich ihn rational
auseinanderlege - mit dem 'Durchdenken' geht es nicht, also muß ich es
niederschreiben" (4. November 1920)
... einige Versuche Hermann Brochs (1886 - 1951), Ordnung in seine
Liebhabereien zu bekommen ...
Die Dokumentationsstelle zeigt Briefe, Texte, Bücher und Fotografien des
berühmten und berüchtigt komplizierten, präzisen Schriftstellers
("stahlbau und leicht") aus ihren Sammlungen und denen des
Tagblattarchivs der AK-Wien (Gestaltung Heinz Lunzer).
Den roten Faden durch die Lebensgeschichte Brochs bildet die 24 Jahre
dauernde Beziehung zu Ea von Allesch (1875 - 1953):
- die ersten Briefe an die Angebetete aus dem Jahr 1918
- das bisher nie im Original gezeigte handschriftliche "Teesdorfer
Tagebuch für Ea von Allesch" aus den Jahren 1920 und 1921, in dem er
grenzenlose Hingabe an die Freundin mit dem Beruf des Fabrikdirektors
wie der Leidenschaft des Wissenschafters und Philosophen in ein
Zusammenspiel bringen möchte, und die zwischendurch gesandten
Expreßbriefe der überbordenden Liebe
- die nur teilweise publizierten Briefe Brochs an Ea zu Beginn und am
Ende seiner Emigration:
- 1938 von England aus, vor der Fahrt in die USA, voll der Sorge um Ea und seine Mutter Johanna Broch, die jene bei sich aufgenommen hat und damit ihr Leben riskiert
- nach 1945 von Amerika aus, voll Dankbarkeit Ea gegenüber, voll Zorn über Österreich und die Nicht-mehr-Nazis
Um diese Briefe gruppieren wir Fotografien von Broch, Ea von Allesch und
anderen sowie Beispiele seines vielseitigen Werks:
- die Erstausgaben seines berühmten Romans "Der Tod des Vergils" in
Deutsch und Englisch und andere seltene Bücher
- das Typoskript "Autobiographie als Arbeitsprogramm"
- Gedichte
- Einleitung aus dem "Bergroman", Tondokument von Hermann Broch selbst
gelesen.
Eröffnung am 2. Mai um 19 Uhr
Vortrag ERIKA TUNNER (Universität Paris)
Begrüßung HEINZ LUNZER
Erika Tunner "Liebe zwischen Kitsch und Philosophie". Zu Brochs "Teesdorfer Tagebuch für Ea von Allesch"
In einer faszinierenden Mischung von persönlicher Leidenschaft,
Verantwortungsgefühl und dem Wunsch, kreativ tätig zu sein, entwickelt
sich der Schriftsteller Hermann Broch: vom vielseitig gebildeten
wissensdurstigen Noch-nicht-Schriftsteller in den frühen 1920er Jahren
zum in der Fachwelt angesehenen, aber kommerziell erfolglosen Autor der
1930er Jahre, zum hellsichtigen Warner vor dem Nationalsozialismus, zum
selbst mittellosen Retter für zahlreiche Flüchtlinge in den Jahren des
Terrors in Europa und zum Helfer aus der Zerstörung in Österreich nach
1945.
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