Sexualität, Erotik und Gender in der österreichischen Literatur und Kultur / Sexuality, Eroticism, and Gender in Austrian Literature and Culture
CALL FOR PAPERS

13. bis 15. April 2007
University of Alberta, Edmonton (Kanada)

Information:
http://www.malca.org/conf/
oder: http://www.mlcs.ca/

"Österreich und seine Metropole Wien sind im frühen 20. Jahrhundert einer der kulturellen Knotenpunkte im zentraleuropäischen Raum, wo wirkungsträchtige Diskurse über Sexualität, Erotik und Gender aufeinander treffen: Zu nennen wären etwa die Literatur der Frühen Moderne mit Autoren wie Arthur Schnitzler und Peter Altenberg, Karl Kraus' Sittlichkeit und Kriminalität, Otto Weiningers Geschlecht und Charakter, der Trivialroman jener Zeit (Josefine Mutzenbacher; Hugo Bettauer), die Anfänge der Sexualwissenschaft (Sigmund Freud, Friedrich Salomon Krauss u.a), Rosa Mayreder und die frühe Frauenbewegung, die Erotik in der Kunst von Gustav Klimt, Egon Schiele oder Alfred Kubin, die zeitgenössische Kunstfotografie u.v.a. Vorläufer dieses Interesses an der Sexualität als Thema von Literatur und Kultur sind aber bereits im ausgehenden 19. Jh. zu bemerken - z.B. in den Werken von Leopold v. Sacher-Masoch und Hans Makart -, wenn nicht schon in der erotischen Kultur des Josephinismus im späten 18. Jh.

Nach den historischen Brüchen von 1934-45 setzt sich die Thematik in der österreichischen Literatur und Kultur der Zweiten Republik fort: so etwa mit den happenings des Wiener Aktionismus, dem OrgienMysterienTheater von Hermann Nitsch, der Videokunst von Valie Export oder im österreichischen Gegenwartsfilm mit Regisseuren wie Franz Novotny, Kitty Kino, Michael Haneke oder Ulrich Seidl; innerhalb der österreichischen Literatur z.B. in der grotesken Erotik bei Heimito v. Doderer und Albert Drach, im feministischen Diskurs bei Ingeborg Bachmann, Marlen Haushofer, Elisabeth Reichart oder Elfriede Jelinek, in den Ansätzen zu einem autobiografisch geprägten queer writing bei Josef Winkler, in den Fäkaliendramen von Werner Schwab etc.

Die geplante Tagung strebt eine repräsentative Sichtung der Thematik bzw. Problematik von Sexualität, Erotik und Gender in der österreichischen Literatur und Kultur an. Die interdisziplinäre Vernetzung im Rahmen einer großen Konferenz soll Traditionsstränge und Verbindungen sichtbar machen - anhand der Analyse einzelner Werke und Autor/inn/en, aber auch größerer Zusammenhänge in den Vorträgen. Germanistische papers sind ebenso willkommen wie solche aus benachbarten Disziplinen wie z.B. (Kunst-)Geschichte, Philosophie, Theater-, Film- und Medienwissenschaften, Cultural Studies oder Kultursoziologie. Mögliche Frageperspektiven für die Vorträge wären:
* Wie werden Sexualität und Gender in Literatur, Theater, Film, Kunst dargestellt? Was ist der Stellenwert des (erotisierten) Körpers in diesen Genres und wie wird er medialisiert (z.B. in der Rhetorik der Schrift)?
* Was für eine Position/Funktion hat (Anti-)Erotik innerhalb der österreichischen Literatur/Kultur? Welche Implikationen hat dies für den Gender-Diskurs?
* Welche Zusammenhänge bzw. Brüche gibt es zwischen der (Sozial- und Kultur-)Geschichte der Sexualität in Österreich und kulturellen Repräsentationsformen in Literatur, Film, Kunst etc.?
* Wie werden die drei Titelkategorien unsrer Tagung als Tropen für österreichische Identität, Gesellschaft o.ä. verwendet? Wie werden diese Kategorien politisch instrumentalisiert? In welchem Zusammenhang stehen sie mit Dispositiven der Macht?
* Welche Zusammenhänge gibt es zwischen dem akademischen, literarisch/künstlerischen und politischen Interesse an Sexualität und emanzipatorischen Frauen- oder Männerbewegungen in Österreich?
* Welche Relationen gibt es zwischen akademischen - d.h. medizinischen, juristischen, philosophischen und kulturwissenschaftlichen - Diskursen über Sexualität und Erotik und deren kultureller Repräsentation?
* Inwieweit beeinflusst Religion die kulturelle Repräsentation von Sexualität in Österreich?
* Wo liegen die Zusammenhänge zwischen kulturellen Diskursen über Sexualität und Konstruktionen von Alterität, aber auch Xenophobie, Rassismus, Antisemitismus in Österreich?
* Was sind die Darstellungsmodi für alternative Sexualitäten und andere tabuisierte Kategorien (wie z.B. Prostitution) in Literatur, Film, Kunst, Kultur?
* Wie beeinflussen sexuelle Subkulturen den kulturellen Mainstream und gesellschaftliche Normen Österreichs ('Moral', Gender, Kanon etc.)?
* Sexualität ist aber nicht nur ein Diskurs, sondern auch performativ: wie beeinflusst dieser Faktor Literatur, Theater, Film, Kunst?
* Wie verläuft die Diskussion über Pornografie in Österreich, was ist ihr Stellenwert? Welches Verhältnis gibt es zwischen der Erotik in Literatur, Kunst und Film einerseits und Pornografie andererseits?
* Warum (und wie) ist in Österreich eine spezielle 'Kultur des Skandals' entstanden - und damit einhergehend der strategische Einsatz von Sexualität und Erotik (z.B. bei Theater- und Filmpremieren)? etc.

Bewerbung / paper proposals:
Alle Interessenten (Universitätslehrer/innen, Forscher/innen, Doktorand/inn/en) werden gebeten, ein Abstract von 400-500 Wörtern (Attachment!) sowie ein Kurz-CV (3-10 Zeilen) an folgende E-Mail-Adresse zu mailen: malca2007@gmail.com
Es ist auch möglich, komplette Tagungssektionen vorzuschlagen (1 Moderator, 3 Vorträge à 20 Minuten).
Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.
Anmeldeschluss für Beiträge/Abstracts ist der 30. Oktober 2006.

Hinweis für Konferenzteilnehmer/innen aus Europa und graduate students Teilnehmer/innen an der MALCA-Jahreskonferenz werden gebeten, Reise- und Aufenthaltskosten bei ihren jeweiligen Heimatuniversitäten zu beantragen. Wir bitten um Verständnis, dass die Veranstalter gemäß den Gepflogenheiten an nordamerikanischen Universitäten für derartige Kosten nicht aufkommen können. Es wird jedoch auf die Möglichkeit hingewiesen, Anträge auf Reiseunterstützung beim Austrian Cultural Forum in New York oder bei der ÖFG Wien einzureichen. Auch das Wirth Institute der University of Alberta behält sich vor, fallweise - insbesondere für graduate students - einen Zuschuss zu gewähren; Informationen dazu bei den Veranstaltern (Konferenz-Email).
Die Konferenzgebühr, die nordamerikanischen Usancen entsprechend von allen Teilnehmer/innen zu entrichten ist, sieht als Gegenleistung die Mittag- und Abendessen, die Pausengetränke, das Rahmenprogramm u.ä. vor.

Für das Organisationskomitee: Clemens Ruthner (U of Alberta)."





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