logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   
Facebook Literaturhaus Wien Instagram Literaturhaus Wien

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

traduki

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Leseprobe: Birgit Unterholzner - Für euch, die ihr träumt

Mit Licht zeichnen

Marilena bewegt die Schwingtür und schlüpft zwischen den dunkelblauen Samtvorhängen ins Lokal. Ihre Augen folgen einem imaginären Bogen nach links und bleiben an einem Mann hängen. Er sitzt an ihrem Lieblingstisch, vor sich ein Glas Wein, Tabak und Feuer. Aufrechter Rücken, bewegtes Haar. Ob er noch den gleichen Tabak raucht?
Kurz flüchtet sie in die Damentoilette. In ihrem Lederbeutel wühlt sie nach einem Parfümfläschchen. Die Konturen nachziehen, ein bisschen Puder, das Bordeauxrot mit dem Pinselchen auf den Lippen verteilen. Das Wachsöl ist eingetrocknet, so lange schon benutzt sie die Farbe nicht mehr.
Während sich Marilena dem Mann, der so lange fehlte, auf Zehenspitzen nähert, geschieht Eigenartiges. Bluse, Rock, Strümpfe und Stiefel, alles in Auflösung. Die Grenzen, wo Stoff Haut berührt, vermag sie nicht zu erfühlen. Die Dielen unter ihren Füßen verlieren an Festigkeit. Sie hält inne.
Marilena glaubt nicht mehr an die Musikfetzen aus den Lautsprechern, an ihr Atmen und an Bjarkis Gegenwart. Sie fürchtet, vorzeitig aus ihrem Gehäuse zu fallen, sich selbst vor die Füße. In diesem Augenblick zweifelt sie zum ersten Mal, ob irgendwelche Erinnerungen geteilte Erinnerungen sind. Ob sie Bjarki jemals das war, was sie für ihn empfand.
Als Bjarki Marilena bemerkt, steht er auf, geht ein paar Schritte auf sie zu und drückt sie an sich. Zaghaft öffnet Marilena die Hände, um die Umarmung verspätet entgegenzunehmen.
Durch Bjarkis Pullover fühlt sie den Brustkorb, einzelne Rippen. Sein Gesicht wirkt schmaler.
Bjarki hilft Marilena aus dem Daunenmantel, hängt ihn an einen der Haken, die nebeneinander aus der Wand ragen. Sie schiebt sich hinter die Tischkante auf ein Sitzkissen, schaut Bjarki an. Sein Äußeres wirkt nachlässig, die Bewegungen scheinen langsamer geworden und er hat neue Augen. Der feste und unbeirrbare Blick ist verschwunden.
So nah jetzt. Wie viele Kilometer, Länder, Gebirgszüge und Meere lagen zwischen ihnen?
Es dauert, bis sie sprechen.

S. 39f.
























































































Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Verleihung des Reinhard-Priessnitz-Preises 2021 an Simone Hirth

Mi, 27.10.2021, 19.00 Uhr Preisverleihung mit Laudatio & Lesung der Preisträgerin Die...

"Literatur ON THE ROAD" – Ann Cotten & Michael Stavaric zu Gast bei Regina Hilber

Do, 28.10.2021, 19.00 Uhr Lesungen & Talk auf dem Literaturhaus-SOFA Die Veranstaltung kann...

Ausstellung
"Organisieren Sie sich!" – der Erste Österreichische Schriftstellerkongress 1981 und seine Nachwirkungen

Ausstellung anlässlich 30 Jahre Literaturhaus Wien 27.09.2021 bis 27.01.2022 Es war ein...

Tipp
OUT NOW: flugschrift Nr. 35 von Bettina Landl

Die aktuelle flugschrift Nr. 35 konstruiert : beschreibt : reflektiert : entdeckt den Raum [der...

INCENTIVES - AUSTRIAN LITERATURE IN TRANSLATION

Neue Buchtipps zu Thomas Arzt, Doris Knecht, Hanno Millesi und Teresa Präauer auf Deutsch,...