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Carolina Schutti: Der Himmel ist ein kleiner Kreis.

Leseprobe:

Sie dreht sich um, hat den Wind nun im Rücken und den kaum aus dem Schnee herausragenden Stacheldraht vor Augen. Das zu weißen Hügeln erstarrte Buschwerk, die dichten, vereisten Baumreihen. Im zunehmenden Licht bekommen die Schatten des Geästs allmählich Tiefe, der Himmel hellt weiter auf, der Mond steht als eine kleine Scheibe hoch über dem Wald. Der Wind streicht zart und vergeblich um die Bäume, sie stehen streng und starr, nicht ein Wipfel regt sich, nicht ein Ast, nicht einmal den Schnee bringt dieser Wind zum Stauben. Erschafft keine von glitzernden Partikeln durchtanzte Dämmerung, keinen Schneewall, der hier kleiner, dort größer wird, kein Zischen vor allem, kein Brausen, kein Tosen. Alle Lebendigkeit steckt irgendwo in der Tiefe, in Höhlen, Löchern, Wurzelspitzen, während hier, an der Oberfläche, nach wie vor alles von einem kalten, silbrigen Glanz überzogen ist. Eiskruste, Glashaut.

Der Wald hat nichts Verträumtes, nichts Verwunschenes, nichts von einem Märchen, nicht in diesem gedoppelten Licht. Weichgezeichnet scheinen die Strukturen und sind doch ohne Geheimnis. Was macht ein Märchen aus? Das schonungslose Aufeinanderprallen von Schatten und Licht, die Tatsache, dass man sich mühelos von einer in eine andere Welt begeben kann, weiß man nur den richtigen Spruch, dass einem Flügel wachsen, wenn man sie braucht? Dass es in allen Ecken wispert und zirpt, dass Öfen Füße bekommen, der Frost ein Gesicht? Oder ist es vielmehr die Gewissheit eines guten Ausgangs, der jedem Anfang bereits eingeschrieben ist? Diese Landschaft hingegen schweigt, verbirgt boshaft ihre Untiefen und Krater, Abbrüche und Löcher, Geheimnisse und Geschichten. Schneisen ziehen sich durch Wälder, ein Geflecht, dem man unendlich lange folgen könnte, ohne jemals an ein Ziel zu gelangen.

(S. 141 f.)

© 2021 Literaturverlag Droschl

 

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