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Katharina Schaller: Unterwasserflimmern.

Leseprobe:

Zum ersten Mal spüre ich echte Müdigkeit, seit ich losgefahren bin, richtige Müdigkeit mit schweren Augen. Zum ersten Mal spüre ich, wie ich tief atme, nicht kurz und abgehackt, tief in den Bauch hinein, sodass sich meine Lungen mit Luft füllen, bis es wehtut.
Ich atme weiter, und die Zeit fließt. Egal, ob man will oder nicht. Ich stehe auf. Ich muss mich waschen. Der Staub der letzten Stunden hat sich auf mich gelegt. Vermischt mit dem Schweiß, mit der Nervosität, mit der Erleichterung. Alles liegt auf meiner Haut, es ist eingetrocknet, in den kleinen Falten, in den Gruben der Schlüsselbeine, in den Kniekehlen. Ich fürchte mich. Vielleicht ändert sich etwas, wenn ich alles abwasche. Vielleicht verpufft das Haus, in dem ich stehe. Vielleicht Francesca, José, Lina. Vielleicht auch Leo und Emil.
Ich schaue mein Gesicht an, es ist dunkel. Ich sehe älter aus, denke ich. Jahre älter, nicht drei Tage. Auch dahin ist der Schmutz gezogen. In die dünnen Linien rund um meine Augen und um meinen Mund. Ich habe Angst davor, dass er nicht mehr abgeht. Dass es kein Dreck ist, sondern ich. Ich stelle mich unter die Dusche und drehe das Wasser auf. Plötzlich möchte ich alles loswerden. Das Wasser ist ein Rinnsal. Ich stelle mich darunter, kalt läuft es an mir herab. Langsam fahre ich mit der Zunge über die Oberlippe und schmecke das Salz. Mein Körper fühlt sich müde an, jetzt noch mehr. Ich stehe da, und es knackst. Es knackst durch die Bewegungen, durch das Bücken, damit ich meine Beine erreiche. Ich muss sie schrubben, meine Füße, die Sohlen sind schwarz. Sie tun mir weh, es fällt mir erst jetzt auf.
Danach strecke ich mich auf dem Bett aus. Langsam fallen mir die Augen zu, ich schaue auf die Wand gegenüber, an der ein Gemälde von einem Ferienhaus angebracht ist. Nicht von diesem hier. Von einem allein stehenden Haus am Meer, von Wellen und einem einzelnen Sonnenschirm. So lange, bis ich nicht mehr kann. Bis ich keinen Funken Konzentration mehr aufbringen kann. Alles ist zu viel. Oder zu wenig. Ich weiß es nicht.

(S.94–95)

© 2021 Haymon Verlag, Innsbruck-Wien

 

 

 

 

 

 

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