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Gregor Mendel: Die Windhose vom 13. Oktober 1870. Mit einem Essay von Erwin Uhrmann und Illustrationen von Johanna Uhrmann.

Leseprobe 1:

Gregor Mendel: Die Windhose vom 13. Oktober 1870

Es war an dem genannten Tage einige Minuten vor 2 Uhr nachmittags, als plötzlich die Luft so sehr verdunkelt wurde, dass nur ein mattes Dämmerlicht übrig blieb. Gleichzeitig wurde das Gebäude in allen Teilen heftig erschüttert und in Schwingungen versetzt, sodass eingeklinkte Türen aufsprangen, schwere Einrichtungsstücke verschoben wurden und der Anwurf stellenweise von Decken und Wänden fiel. Dazu gesellte sich ein ganz unbeschreibliches Getöse, eine wahrhaft infernalische Symphonie, begleitet von dem Geklirr der Fensterscheiben, dem Gepolter von Dachziegeln und Schieferplatten, welche durch die zerschmetterten Fenster zum Teil bis an die gegenüberliegenden Zimmerwände geschleudert wurden.

In solcher Weise überrumpelt und betäubt konnte auch der Mutigste eines peinlichen Eindruckes sich nicht erwehren. Zum Glücke war das Höllenspektakel nach wenigen Augenblicken zu Ende. Ich schätze die Dauer auf 4 oder höchstens 5 Sekunden und bemerke dabei, dass die Windhose, wie es sich nachträglich herausstellte, in ihrer größten Ausdehnung über meinen Beobachtungsort weggezogen war. [Leute, die] sich mit mir in gleicher Lage befanden, haben die Dauer nur auf wenige Augenblicke bemessen.

(S. 5-6)


Leseprobe 2:

Erwin Uhrmann: Die Ironie elementarer Ereignisse

Obwohl er seine jungen Jahre in der Biedermeierzeit verbrachte, war er nicht bigott oder reaktionär. Seine Lehrerkollegen in Znaim, wo er am Gymnasium als Aushilfslehrer unterrichtete, attestierten ihm per Bericht einen tadellosen Lebenswandel – eine Bewertung, die in der damaligen Bespitzelungs- und Überwachungszeit Usus war. Mendels offenes Eintreten für die liberale Partei brachte ihm später einiges an Missgunst in der katholischen Kirche ein, weil viele Geistliche eher den Konservativen zugetan waren. Das Angebot, ein politisches Mandat für die Liberalen anzunehmen, lehnte er jedoch ab. Eine Ironie des Schicksals war es, dass einer der größten Rückschläge für Mendel als Abt durch die liberale Partei verursacht wurde: Diese brachte im Jahr 1874 im Reichsrat ein Gesetz durch, das Ordensvermögen je nach Besitzstand hoch besteuerte, um zusätzliche Mittel für den Religionsfonds zur Erhaltung von weltlichen Geistlichen zu schaffen. Die daraus abgeleiteten Forderungen riefen enormen Unmut in den Klöstern hervor. Mendel entschied sich, da er die Existenz des Klosters bedroht sah, hart auf Konfrontation zu gehen. Daraus entstand ein jahrelanger Konflikt, Pfändungen inkludiert, was Mendel nur in seiner Haltung bestärkte, Widerstand und Protest bis zum Lebensende durchzuhalten.

(S. 78-79)
 

© 2021 Limbus Verlag, Innsbruck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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