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Leseprobe: Cornelius Hell - "Lesen ist Leben."

"Die Aufmerksamkeit des Menschen mehr auf den Menschen selbst zu heften, und ihm sein individuelles Dasein wichtiger zu machen" - das formuliert Karl Philipp Moritz in der Einleitung zu seinem "Anton Reiser" als Ziel. Und wer den Roman je aufgeschlagen hat, weiß: Es tut weh, sich diesem Ziel zu nähern. Denn der Autor zwingt sich unter der Maske des Anton Reiser noch einmal durch die eigene Kindheit, wirft einen analytischen Rückblick auf die Demütigungen, Allmachtsphantasien und Ängste einer verlassenen Kinderseele. Anton Reiser war, wie es im Buch heißt, "in seiner frühesten Kindheit schon von Vater und Mutter verlassen, denn er wusste nicht, an wen er sich anschließen, an wen er sich halten sollte, da sich beide hassten, und ihm doch einer so nahe wie der andre war." Hinter dem psychologischen Roman öffnete sich ein Panorama der deutschen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts aus der Perspektive von unten: von den ausgebeuteten Kindern, die schwere, gefährliche Arbeiten verrichten müssen und durch Geburt und Herkunft von den aufkommenden Bildungsidealen ausgeschlossen sind.
Den ersten Vorabdruck seines "Anton Reiser" publizierte Moritz 1783 - im selben Jahr, als Immanuel Kant seine berühmte Definition veröffentlichte: "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus der Unmündigkeit."
Was bei Kant abstrakte Maxime ist, wird bei Moritz geradezu körperlich erfahrbar: der Weg eines Menschen aus seiner Unmündigkeit. Und vor allem: wie wenig diese Unmündigkeit selbstverschuldet ist.
Phantasie und Lektüre halten Anton Reiser am Leben, aber der Roman bricht ab, bevor er zu einer Triumphgeschichte geglückter Aufklärung und Bildung werden könnte. Reiser will sich einer Theatertruppe anschließen - aber die hat sich gerade aufgelöst und ist eine "zerstreute Herde", so die letzten Worte des Romans.
Jean Paul hat einmal von der "Abwesenheit des Himmels" im "Anton Reiser" gesprochen. Nicht dass dem Roman die religiöse Dimension fehlte - im Gegenteil -, aber die konsequente Abwesenheit von Erlösung wird dadurch umso schmerzlicher.

© 2007, Wieser Verlag, Klagenfurt u. a.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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