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Manfred Chobot: Das Hortschie-Tier und Die Lurex-Frau

Hyper-Texte.
Zeichnungen von Walter Schmögner.
Oberwart: edition lex liszt 12, 2022.
370 S.;brosch.; EUR 25,-.
ISBN 978-3-99016-217-0.

Manfred Chobot

Leseprobe

Manfred Chobot – seit gut fünfzig Jahren aktiver Teil der Wiener Kunst- und Literaturszene – beweist mit dem 370 Seiten starken Prosaband "Das Hortschie-Tier und Die Lurex-Frau" wieder einmal, dass er zu den produktivsten seiner Zunft gehört. Diesmal sind es mehr als 130 "Hyper-Texte", die in 13 Kapitel mit thematischen Vorgaben gegliedert werden: Reisen, Wohnen, Begegnungen, Triebe, Liebe und so weiter. Dabei lernen wir den Ich-Erzähler als einen Münchhausen der besonderen Art kennen, der in verschiedenste Rollen schlüpft und von überraschenden Wendungen im Geschehen auf Zick-Zack-Kurs gebracht wird. Ziemlich ungewöhnliche Erfahrungen macht er nicht nur als Kunstkenner und Schriftsteller, sondern auch als Schilehrer, Bodyguard, Ringkämpfer, Moderator, Band-Musiker und in vielen weiteren Rollen. Einige Kapitel sind laut Inhaltsverzeichnis ungeeignet "für Jugendliche unter 15 ½ Jahren" oder "für unter 17 ¾", woraus sich erschließt, dass die Angabe so ernst nicht gemeint sein kann. In den Erzählungen "Mit Angelina in Nordkorea", "Gspusi mit Susi", "Jause mit Birgit" oder "Vormittags Moni, nachmittags Vroni" kann es ebenso harmlos wie pornographisch zugehen, was sich meist ganz unverhofft für den Ich-Erzähler ergibt.

Durchgängig bewegen sich die bisweilen nur eine Seite umfassenden Texte in einer Welt zwischen Sein und Schein, die beinahe ununterscheidbar ineinander schwappen. Durchaus nachvollziehbare Situationen heben plötzlich von einer Zeile zur nächsten ins Absurde ab und enden auf eben diese Weise. Begegnungen mit (verstorbenen) Prominenten der Kulturgeschichte stehen an der Tagesordnung. Schubert, Heine, Hölderlin und andere berühmte Geister sind wiederkehrende Begleiter, stehen dem Ich-Erzähler bei seinen fintenreichen Abenteuern zur Seite. Nicht nur ihr regelmäßiges Auftauchen hält die "Hyper-Texte" zusammen. Auch die erotischen Begegnungen mit Frauen stellen eine Konstante dar. Anders als die kumpelhaft agierende männliche Prominenz zeigen die unbedeutenden, nur mit Vornamen genannten Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts unverhohlenes sexuelles Interesse, dem der Ich-Erzähler stets als Kavalier begegnet. (Nur die vollständig genannte Elfriede Jelinek macht eine Ausnahme, indem sie von ihrem neuen Roman erzählt.) Dazu nimmt der Sitten und Gebräuche der Politik sowie der heimischen und internationalen Kulturszene auf’s Korn, persifliert Immobilien- und Kunstgeschäfte, Preisverteilungen, Verlagsusancen, Landpartien, Fernreisen, Krankenhausaufenthalte oder was einem sonst noch im Covid-19-Heimarrest in den Sinn kommen mag. So turbulent sich seine Fantasien – kongenial illustriert von Walter Schmögner – auch entwickeln, der Ich-Erzähler behält selbst in den verwickeltsten Fällen die Oberhand, findet immer den Ausweg aus (alp)traumhaften Situationen, und sei es durch ein schlagartiges Ende – ähnlich dem plötzlichen Erwachen aus einem großartigen oder bösen Traum.

Manfred Chobot ergibt sich der Fülle des Lebens, erzählt manchmal derb, manchmal grantig, meist humorvoll, meist gut gelaunt, kalauert mit Einfallsreichtum, spielt mit Doppeldeutigkeiten. Wäre da nur noch die Frage nach dem Hortschie-Tier und der Lurex-Frau. Beide gehören der Erinnerung an das erotische Erwachen des Ich-Erzählers an. Handelt es sich bei dem einen ("Etwas Derartiges habe ich noch nie gesehen." S. 210) um gewisse Erfahrungen im Feriencamp, die auf einer Bohrinsel enden, bezieht sich die andere auf eine frühere Angebetete im aluminiumdurchwirkten Polyster-Outfit. Da der inbrünstig Verliebte abgewiesen wurde – "nicht akkordiert, mich zum Narren zu machen" –, suchte er das Weite und resümiert launig: "Die Vergangenheit hat mit der Gegenwart nichts gemeinsam." (S. 203).


Rezension von: Beatrice Simonsen, 17. 08. 2022 *

Interview mit Manfred Chobot: http://www.kunstundliteratur.at

*Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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