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Leseprobe: Erich Ledersbeger - "Schnitzel mit Beilage"

Der Föhn

Eine der schönsten Erfindungen Tirols ist der Föhn. Einerseits nennt man eine bestimmte Art von Wind so (siehe Lexikon), andererseits wird hierzulande der Begriff verwendet zur Erklärung jeglichen Übels.
Die zweite Bedeutung des Wortes ist die wesentliche, wobei es sehr nützlich - und gewollt -ist, dass Fremde diesen Föhn mit dem anderen, nämlich dem Fallwind aus dem Süden, verwechseln.
Sagt ein Tiroler "Es ist Föhn", meint der damit nicht den Wind, sondern ein in sich aufkeimendes Unwohlsein. Vielleicht hat ihn eines seiner Kinder maßlos geärgert, vielleicht hat seine Frau ein Verhältnis mit dem Nachbarn, vielleicht ist er bloß müde - er will es nicht wissen, schon gar nicht darüber reden, denn, wie gesagt, es ist Föhn.
Dieser Satz, in allen seinen Variationen, fordert die Angesprochenen ausschließlich zu einer Zustimmung heraus. Wer etwa antwortet: "Föhn? Ich spüre nichts", diffamiert sich als gefühlsroh, unsensibel, jedenfalls als Fremdling.
Die einzig tirolerische Antwort kann nur Zustimmung bedeuten, etwa: "Ein Wahnsinn, der Föhn heute."
Der Föhn stellt alles außer Frage, weil er die Antwort auf alle Fragen ist. Auf diese Weise werden Probleme kostengünstig und schnell gelöst, man denke nur an so profane Dinge wie Beziehungskrisen. In anderen Teilen der weiten Welt, etwa in Vorarlberg, benötigen Paare Psychologen, Therapeuten, Gruppendynamiker und andere geistige Haarspalter, um nach Jahren festzustellen, dass nicht alles zusammengehört, was sich bisweilen zusammen findet. Hier weiß man, dass die Ursache der Föhn ist und wartet, bis er wieder vorbei ist. Danach lebt man friedlich weiter.
Auch volkswirtschaftlich wrid nach dieser Methode vorgegangen: sinken zum Beispiel die Einnahmen im Tourismus, liegt das ebenfalls am Föhn. (Bisweilen wird er in diesem Zusammenhang auch "schlechtes Wetter" genannt.)
(S. 81f)

© 2002, www.kakanien.com, Innsbruck.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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