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Leseprobe: Christa Nebenführ - "Blutsbrüderinnen"

Wie die treueste und innigste Liebe Winnetou und Old Shatterhand selbst dann gegenwärtig war, wenn das große Wasser zwischen ihnen lag, so wollten die Blutsbrüderinnen den Vorrang ihrer Verbindung über die großen Ferien bewahren. Das Wesentliche ihrer Liebe lag im Geheimnis, das sie ganz nach Belieben hie und da lüften konnten. Wenn es ihnen einfiel, andere zu Zeugen ihrer Leidenschaft werden zu lassen, so konnten diese doch nicht ahnen, dass ihre Liebe durch ein Blutsband verbürgt war.
Die Gewissheit, dass sie alle Affären des kommenden Sommers auf den zweiten Rang verweisen würde, trieb die Euphorie Hermines in triumphale Höhen. Sie war für ihr ganzes zukünftiges Leben vor dem Schicksal der Unterwerfung gefeit, da der erste Platz in ihrem Herzen einer Gleichen gehörte. Kein Ehemann oder Liebhaber würde je Anspruch darauf erheben können. Hermine, die wie immer wild auf Beweise war, durchwühlte ihr Gedächtnis und ihr Zimmer nach einem Gegenstand, den man nicht vervielfältigen konnte. Außer einem goldenen Halskettchen mit ihrem Sternzeichen besaß sie nur Modeschmuck. Von ihrem Taschengeld ein Buch oder eine Schallplatte zu kaufen, schien ihr ebenso banal, wie ein Foto vom letzten Sommerurlaub rahmen zu lassen. Sie suchte nach einem Gegenstand, den sie vermissen würde, um sich dadurch zu erinnern, so wie sich manche Asiaten ein Fingerglied abtrennen, um ihr verstorbenes Kind, oder viel eher ihre Trauer darüber, nicht zu vergessen. Schließlich fiel ihr die Janis-Joplin-Brille mit graublau getöntem Fensterglas ins Auge. Sie war nicht nur das Relikt einer Enttäuschung, sondern auch der Beweis des vorausgegangenen Triumphes. Vor allem aber war es die einzige Sonnenbrille, die Hermine besaß. Sie würde Elvira mit ihrem Verzicht schmücken. Zugleich würde sie durch die Übergabe der Trophäe ihren Status festlegen. Die Sonnenbrille war der Schwanz des Stieres, mit dem der Matador die Dame seines Herzens ehrt oder der Ohrring des Opfers, mit dem der Lustmörder seine Gattin schmückt. Sie hatte ihren eigenen Rang in der Reihe aller Liebes-Präsente und Opfergaben der Geschichte, vom rohen Fleischbrocken bis zum Tadsch Mahal."
(S. 107)

© 2006, Milena Verlag, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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