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Leseprobe: Engelbert Obernosterer - "Misstraut den Floristen."

(S. 53f)

Gewöhnlich schauen die Bewohner der Umgebung, wenn sie mein Auto näher kommen sehen, über dieses hinweg in die Berge, wunderschöne Berge, an denen sie sich scheinbar nicht satt sehen können. Ob es ein Zufall ist, sinniere ich im gleichmäßigen Weiterfahren, dass es in diesem Lande so viele Berglieder gibt, Wegschaulieder quasi, eine hochstehende Wegschaukultur...
Vor ein paar Tagen hat sich das mit einem Schlag geändert, genauer gesagt: mit einem grässlichen blechernen Krachen. Ich habe nämlich beim Reversieren einen Hydranten übersehen. Eine vom Heck bis zur Hintertüre eingedrückte Seitenwand ist die Folge. Sieht arg aus, aber ich kann mit dem Gefährt weiterfahren.
Als ich das erste Mal in der Stadt parke, bleiben sofort einige Passanten stehen, die erstarrten Augen richten sie auf die Deformierung, dann auf mich, und zwar mit unverhohlenem, an Bewunderung grenzendem Staunen, dann wieder auf die Riesendelle. Ein Mann, mit dem ich bisher noch nie ein Wort gewechselt habe, lacht mich kumpelhaft an. Hat wohl auch schon seine Blechschäden abbekommen und meint nun zu verstehen, wie mir zumute ist.
In einiger Entfernung stehen ein paar Frauen beisammen, breitbeing, wie wenn sie fürchteten, vom Anblick umgeworfen zu werden; sogar Passanten, die es eilig haben, bleiben kurz stehen, lassen das Missgeschick auf sich wirken und eilen erleichtert, dass es nicht sie betrifft, weiter.
Auf der Heimfahrt lacht mich von einem Taktor herab ein Bauer vom Berg an. Eine so kolossale Delle macht auch ihm Eindruck; mich als dazugehörig wird er sich von nun an merken. Der Bub auf dem Kotflügelsitz macht das Staunen des Vaters fast synchron mit.
Ich gönne die belebende Massage, die der Anblick den Bewohnern beschert, natürlich jedem, dem damit geholfen ist. Und wenn ich damit schon so viel Staunen, Interesse und Heiterkeit erwecke, kann ich mir mit dem Reparieren ruhig Zeit lassen. Als ich auf Drängen meiner Frau den Wagen schließlich doch in die Werkstatt stelle und ein paar Tage später wieder mit einem geglätteten Blech meiner Wege fahre, bemerken das einige sehr wohl. Aber keinen erheitert es. Mir scheint sogar, dass einzelne missmutige Gesichter noch missmutiger werden, habe ich sie doch mit der neuen Autotüre quasi vor die Türe gesetzt, habe sie durch die Glättung des Blechs aus meinem Inneren verwiesen, in dem sie sich in den letzten Wochen schon recht ungeniert umgesehen hatten.

© 2006 Kitab Verlag, Klagenfurt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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