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Lockdown- und andere Texte im Corona-Jahr 2021


Szenenfoto Burgtheater © Matthias Horn

Die aktuelle Pandemie wird offensichtlich schneller literarisiert als andere Phänomene unserer Zeit. Schon im ersten Corona-Jahr gab es neben den zahlreichen Blogs, Videos und Tagebüchern, die das Geschehen fast in Echtzeit dokumentierten, auch erste literarische Aufarbeitungen des Themas. Im Dezember des Vorjahres haben wir Ihnen eine Auswahl aus diesen Büchern in unserem Online-Buchmagazin vorgestellt.
>> CORONA – Literarische Antworten auf die Pandemie

Im zweiten Corona-Jahr ist die Pandemie in der österreichischen Literatur schon ganz selbstverständlich präsent, ohne dass der jeweilige Werktitel explizit darauf hinweisen müsste. Geschlossene Gesellschaft, nennt etwa die vielfach ausgezeichnete Autorin Verena Stauffer ihr poetisches Lockdown-Tagebuch (FVA 2021), das Lyrik und Prosa, Alltagsbeobachtungen, genaue Analysen, Traumaufzeichnungen und fantastische Elemente miteinander verbindet. "Und ich lebe in Wien, wie ich nie zuvor in Wien gelebt habe", bemerkt die Vielgereiste an einer Stelle. Ebenso präzise wie einfühlsam seien Verena Stauffers Beschreibungen des Alltags im Ausnahmezustand, ihre Sprache makellos bis ins kleinste Detail, schreibt unsere Rezensentin Daniela Chana, mit ihrem Romandebüt Neun seltsame Frauen (Limbus Verlag) selbst eine der vielversprechendsten jungen Autorinnen dieses Jahres, im Literaturhaus-Buchmagazin. Poetische Texte zur Pandemie finden sich auch in Teresa Präauers Band Das Glück ist eine Bohne (Wallstein Verlag), einer Sammlung von Aufsätzen, in denen die Autorin und bildende Künstlerin einerseits eine bunt schillernde Mitschrift zur Populärkultur der letzten zehn Jahre liefert, andererseits sehr persönliche Begegnungen und Erlebnisse beschreibt, etwa in der berührenden Titelgeschichte von der "Glücksbohne" oder in der Liebesgeschichte von David und Aiko, einem österreichisch-japanischen Paar, das durch die Reisebeschränkungen in der Pandemie auf ungewisse Zeit getrennt wird.

Eine humorvolle Beziehungsgeschichte wider Willen zeichnet der Autor René Freund in seinem Roman Das Vierzehn-Tage-Date (Hanser Verlag). Corinna ist das Tinder-Date von David. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht, an die sich Corinna wegen einer Flasche Wodka nicht mehr erinnern kann, müssen die beiden in Quarantäne. Zwei Wochen gemeinsam statt einsam …

Schmerzhaft laut tönt das Stimmengewirr der Pandemie in Elfriede Jelineks aktuellem Theaterstück Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen auf der Bühne des Burgtheaters. Lärm: das ist der Wortschwall an Nachrichten, Reden, Erklärungen, Gerüchten, Theorien und Verschwörungsmythen, der uns im Zusammenhang mit der Pandemie täglich überschwemmt. Kunst ist, wie Jelinek aus dieser Kakophonie streitender Stimmen ein Netz bemerkenswerter Korrespondenzen spinnt. "Hören Sie mir beim Nachreden zu. Ich kann mir nichts erklären, was nicht andre schon erklärt haben. Ich kann kein Verhalten zeigen, aus dem man etwas erkennen könnte. Sie werden nie entscheiden können, was ich ursprünglich geschöpft, erfahren, errungen habe und was abgeschrieben und nachgeredet ist. Ich drehe das Licht an, schlage die Zeitung auf und schreibe sie ab."
Auch Bilderwelten überlagern sich – Jelinek mixt eine der berühmtesten Orgien der antiken Literatur, das Gelage bei der Zauberin Kirke, die Odysseus' Gefährten in Schweine verwandelt, mit der enthemmten Welt der Superspreader von Ischgl, die das Corona-Virus in ganz Europa verbreiteten. Das Stück wurde im Deutschen Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt, aktuell steht es in der Regie von Frank Castorf auf dem Spielplan des Wiener Burgtheaters. Der ganze Text von Elfriede Jelinek, der in beiden Theater-Inszenierungen nur in Auszügen zum Einsatz kommt, ist in einer Beilage zur Zeitschrift "Theater heute" (08/2021) abgedruckt.

Elfriede Jelinek und die Pandemie sind auch in Katharina Tiwalds Roman Mit Elfriede durch die Hölle (Milena Verlag) äußerst präsent, dazu noch Dante Alighieri. Im Jubiläumsjahr – 75 Jahre Elfriede Jelinek, 700 Jahre Dante Alighieri – befindet sich die Hölle am Flughafen Wien-Schwechat. Die Autorin Katharina Tiwald, so der Plot, hat ein "Durch-die-Hölle-gehen-Stipendium" gewonnen, geleitet wird sie samt Romanmanuskript im Rollkoffer von der bewunderten Autorin Elfriede Jelinek, die "mindestens eine Generation der Österreicher so leicht erkannte wie, sagen wir, die Mona Lisa." Am Flughafen angekommen, beginnt ein assoziationsreiches Spiel der Begegnungen mit österreichischen Sündern und Geistesgrößen, ja sogar mit Romanfiguren wie den mittlerweile handysüchtigen Geschwistern aus Jelineks Roman "Die Ausgesperrten". Das alles hat Tempo und ist höchst unterhaltsam, setzt aber eine Menge Wissen voraus!

Als literarischer und essayistischer Begleiter der Corona-Krise profiliert sich zusehends der Wiener Verlag bahoe books, bereits 2020 erschien dort Marlene Streeruwitz' Corona-Tagebuch So ist die Welt geworden, im November 2021 dann der von Thomas Schmidinger und Josef Weidenholzer herausgegebene Aufsatzband Virenregime. Wie die Coronakrise unsere Welt verändert und die Stimmen-Collage Spazierengehen ist erlaubt der beiden Profil-Redakteure Sebastian Hofer und Wolfgang Paterno.
Auch der deutsche Feuilletonist und Filmkritiker Georg Seeßlen publizierte mit seinem Essay Die zweite Welle: Corona & Kultur bereits seinen zweiten Band zum Thema bei bahoe books.

Zahlreiche weitere Neuerscheinungen des Jahres 2021 – mit und ohne Corona-Bezug – präsentieren wir Ihnen im Online-Buchmagazin des Literaturhauses Wien, auf unserer Projektseite INCENTIVES sowie in der Reihe Buch der Woche auf unserem Facebook und Instagram-Account.

Kontakt Buchmagazin:
Sabine Schuster / s.cc0schuster@literaturhjvaus.ata2bt


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