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Leseprobe: Katharina Tiwald - "Schnitte - Portraits - Fremde."

Versuchte Diskursanalyse eines romantischen Augenblicks

Achtung, flüstert sie, "wenn man mich zwischen den Schulterblättern streichelt, macht man mich sofort scharf", sie regt und windet sich, lächelt, bare Haut - Katja merkt erschrocken, zwischen Manis Armen, dass dieses "man", das bloß markieren soll, dass sie ihren Körper kennt, in Manis Ohren ihn nicht einschließt, ein exklusives "wir" herstellt, das Mani aussperrt gegenüber Katja und ihren früheren Liebhabern. Katja als der eine Agens und alle anderen Männer als die heimlichen Agenten, und sie grinsen einander an. Katja ist der Kopf aller Phrasen, aller Sätze. Aber kann Mani sich darin finden, fragt sie sich traurig, kann er die Rolle des Agens und des Patiens in ihren Sätzen für sich sehen, wie es ihm gebührte? Fühlt er sich mit ihr wohl genug, um grammatisch und ungrammatisch zu sein? Das alles fragt sich Katja und wird traurig, weil ihr Mund ihr davongelaufen ist und das Wort "du" nicht aus den Zähnen ließ." (S. 21)

"Die Welt unterteile ich in Geschichten, Handlungen - Tätigkeiten also - und Symbole. Darüber stehe ich und halte meine Fäden in der Hand. Was ich dir erzähle, ist: gut, ich korrigierte mich, dann eben keine Geschichte und keine Handlung, sondern ein Symbol. Was ich rede, fragst du mich; was die Rede vom Symbol soll; wohin du fällst in diesem Dreigeteilten? Als hätte ich die Dreieinigkeit in der Hand, ja, so ist das! - Das ist meine Macht. - Du bist meine Geschichte, Pavel, weil du dich vor zwölf Jahren entschieden hast, an die Spitze meiner schwarzen Strümpfe zu greifen. Ich kann mich an deinen Griff erinnern, es ist der Griff eines Matrosen. Du setzt deine Griffe eines Matrosen alle meine Jahre wie Punkte mit einer Feder, als schriebest du ein Libretto." (S. 31)

"Wir aßen unseren aus Innsbruck herausgeschnittenen Zeitkuchen am nächsten Morgen beinahe auf, und den Rest packte ich in eine Zeitung, um mir den Hunger im Zug zu vertreiben. Auf dem Weg zum Bahnhof sah ich den gelbsüchtigen Italiener, der mit missmutigem Gesicht um die Ecke bog. Ich hatte das Erzählen von meinem neuen Theaterstück, dem Stück in Planung, bis zum letzten Morgen aufgehoben und mir sogar die Einleitung zurechtgelegt, um ihm eine für mich äußerst relevante Information kompakt mitzuteilen. Das Kaffeetrinken am Vormittag eröffnete ich mit "Ich möchte dir noch etwas erzählen, auch auf die Gefahr hin, dass es dich ein bisschen langweilt", und erzählte von einem Treffen mit einem Komponisten, der Fassung von Musik in Worten und der Entstehung eines Wortkonzerts.
Dann waren wir auf dem Bahnhof und schlugen die letzte Zeit." (S. 126)

© 2005, edition lex liszt, Oberwart.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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