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Gerhard Fuchs; Günther A. Höfler (Hrsg.): Hans Lebert.

Graz, Wien: Droschl, 1998.
(Dossier. 12).
387 S., brosch.; öS 400.-.
ISBN 3-85420-470-1.

Band 12 der Grazer Reihe "Dossier" (die neben Essays immer auch eine Sammlung ausgewählter Rezensionen sowie eine Bibliographie umfaßt) ist einem ganz großen Autor gewidmet, dem 1993 verstorbenen Hans Lebert, dessen Roman "Die Wolfshaut" (1960) zu den spannendsten Leseerlebnissen und den wichtigsten Büchern Österreichs zählt. Jürgen Egyptien (von dem jüngst auch eine große Monographie zu Lebert erschienen ist) legt in seinem Aufsatz eine religiöse Deutung des Werkes vor. Die Kritik am Nationalsozialismus und der im Nachkriegsösterreich geübten Verdrängungspraxis, auf die man Lebert manchmal festnageln wollte, relativiert sich an der ontologischen Befindlichkeit, die beim Autor zum Tragen kommt: Eine gnostische Welt- und Körperabwertung, innerhalb derer der Faschismus als nur eine mögliche Emanation des Bösen in der Welt erscheint und somit seiner historischen Einmaligkeit verlustig geht.

Seitens einer Literaturwissenschaft, die sich als eine kritische versteht, muß sich gegen eine solch nivellierende Sicht Widerstand regen. So verwehrt sich Karl Wagner in seinem Aufsatz gegen eine Lesart, die die "Die Wolfshaut" der postmodernen "New gothic" zuschlägt. In der Gespenstergeschichte, die Lebert (und in Elfriede Jelinek hat er darin ja eine explizite Nachfolgerin gefunden) veranstaltet, kehrt neben religiösen Elementen stets auch die reale Geschichte zurück. In der Abwendung von der irdischen Profanität zeige sich Leberts ultimative Pointe: An den hiesigen Verhältnissen zerschellt jeder Ansatz zur Aufklärung.

Innerhalb dieses interpretativen Richtungsstreits ist auch der aufschlußreiche Essay von Theresia Klugsberger positioniert. Anhand eines von Lebert gefertigten Bauplanes zur "Wolfshaut" (der zum Schaden der Forschung aufgrund einer Verfügung der Urheberrechtsinhaber nicht faksimiliert werden durfte) wird die genaue Struktur des Buches greifbar; bis in die kleinsten Wetterdetails hat Lebert präzise Überlegungen getroffen. Der Kampf zwischen gut und böse erscheint innerhalb der Konstruktion als eine symmetrische Handlungsfolge. Auch das Ziel der Auseinandersetzung ist in der Struktur festgeschrieben: Das Böse läßt sich nicht überwinden, sondern bestenfalls verstehen.

Neben literarischer Vielschichtigkeit bietet Hans Lebert auch den Anlaßfall zu einer wirklich spannenden genealogische Spekulation: Franz Zeder geht in seinem biographischen Abriß dieser Spur nach. Die Mutter von Lebert könnte demnach eine Tochter von Kaiser Franz Joseph sein. Anna Nowak, die Großmutter, hatte dazu im Sommer 1882 notiert: "Der Kaiser besucht mich häufig. Ich mache eine furchtbare Entdeckung. Ich fühle mich schwanger. Heiliger Gott! Wie wird das enden, daß der Kaiser nichts merkt." Ob der Monarch etwas mitbekommen hat, ist unbekannt, jedenfalls hat er gezahlt: 50.000 fl., um die (für spätere Besuche) ein Haus mit gartenseitigem Geheimeingang gekauft wurde. Verifiziert ist das dazu passende Lebensmotto von Anna Nowaks angetrautem Mann. Über seinem Schreibtisch fand sich der Spruch: "Alles geht vorüber!"

Klaus Kastberger
8. September 1998

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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