Die Zeit gibt die Bilder

Schriftsteller, die Österreich zur Heimat hatten

Eine Ausstellung des Literaturhauses in Wien
von Alisa Douer und Ursula Seeber
In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten (1992)

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung, deren Motto aus Stefan Zweigs Erinnerungsbuch "Die Welt von gestern" entlehnt ist, stehen Schriftstellerinnen und Schriftsteller (alt)österreichischer Herkunft, die von den Nationalsozialisten ins Exil gezwungen wurden.

Die aus Tel Aviv gebürtige Fotografin Alisa Douer reiste durch Israel, Großbritannien, die USA und nach Moskau und besuchte auch nach Österreich zurückgekehrte Autoren. Ihre Porträts halten die Begegnung mit über 70 Künstlern fest, darunter international bekannte wie Billy Wilder oder Erwin Chargaff, darunter viele neuzuentdeckende, zu Unrecht vergessene wie Boris Brainin, Anna Maria Jokl, Stella Rotenberg, Kurt Singer, Raoul Ernst Weiss, Max Zweig ...

Die Fotos beziehen ihre besondere Wirkung daraus, daß alle Porträtierten, obwohl teilweise aus der Generation eines Joseph Roth oder Jura Soyfer stammend, 1991/92 noch am Leben waren. Die Fülle der Namen und Gesichter legt zusammen mit den literarischen Texten des Begleitbuchs ein beredtes Zeugnis dafür ab, was Exil, Vertreibung und Flucht aus der Heimat bedeuten kann und welches Selbstverständnis diese Menschen entwickelt haben, die erzwungenermaßen zwischen Orten, Sprachen und Kulturen, in einer "Zwischenwelt" (Berthold Viertel) leben.

Die Zeit gibt die Bilder
Schriftsteller, die Österreich zur Heimat hatten