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Leseprobe: Michaela Jenny - "Die Denkzettel des Herrn Seeburger."

"Feo?"
Frau Wukitza, die gerade damit beschäftigt ist, die Grießteigmasse anzurühren, aus der sie später die von Herrn Seeburger so geschätzten Nockerl ausstechen wird, wirft ihm einen erstaunten Blick zu. "Die Gändige Frau ist nicht bei mir. Ist sie nicht bei Ihnen im Salon gewesen?"
"Nein – ich meine, ja, das war sie, aber ich bin eingeschlafen und als ich wieder aufgewacht bin – aber wenn sie nicht hier ist, wo kann sie ..." Er ist so davon überzeugt gewesen, sie in der Küche anzutreffen, dass er einen Augenblick lang zu verstört ist, um klar denken zu können.
"Sie ist von allein aufgestanden?" Ungläubig legt Frau Wukitza den Kochlöffel beiseite und greift nach einem Geschirrtuch, um sich die Hände abzuwischen. "Haben Sie schon im Bad nachgeschaut?"
"Natürlich, Sie haben Recht." Er atmet tief durch. Wieso regt er sich so auf? In einem der Räume muss sie ja sein. Der Gedanke fährt ihm durch den Kopf, dass sie gestürzt sein und irgendwo hilflos am Boden liegen könnte, und das Herzklopfen, das sich schon etwas beruhigt hatte, setzt wieder ein. Er zwingt sich zur Ruhe.
"Können Sie bitte das Bad, die Toilette und das Schlafzimmer übernehmen? Im Bett ist sie nicht, das weiß ich, aber vielleicht hat sie sich ja in den Fauteuil beim Fenster gesetzt. Und ich schaue im Speisezimmer und im Arbeitszimmer nach."
Seine Besorgnis ist ansteckend. Frau Wukitza hastet dicht hinter ihm aus der Küche, und während er das Vorzimmer durchquert und im Speisezimmer verschwindet, wendet sie sich nach links. Ihr Blick fällt auf die halb geöffnete Wohnungstür.
"Jesus Maria", flüstert sie entsetzt. Die verwirrte alte Dame wird doch nicht – bei der Eiseskälte, und ohne etwas Warmes anzuhaben – nein, das Haustor ist zu schwer, das kann sie unmöglich aufdrücken – und wenn doch?
Sie reißt ihren Mantel von der Garderobenwand und läuft so schnell sie kann die Treppe hinunter. Am unteren Ende der Gasse, dort, wo sie in die Döblinger Hauptstraße mündet, hat sich eine kleine Menschenmenge versammelt, und auf dem Dach des Rettungswagens, den sie durch die Leute hindurch erkennen kann, dreht sich das blau blinkende Notfalllicht.
(S. 21f.)

© 2009 Bucher Verlag, Hohenems/Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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