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Leseprobe: Olga Flor - Die Königin ist tot.

Ich lasse mich immer gerne ficken von einem Krieger. Das ist es, was ich dachte, als ich an Peters kantiger Uniformjacke vorbeisah, gerade so, dass ich den winzigen Ohrring wieder fand, das einzige – und ein wenig deplatzierte – Schmuckelement an seinem völlig kahlgeschorenen Schädel unter der Türstehermütze. Ein Türsteher kommt ja weniger in Frage. Ich betrachtete ihn eingehender, während er die Dämmerung hinter mir im Auge behielt, das Mischlicht (halb Tageslichtrest, halb Nachtkunstlicht), das den runden Einfahrtsbereich ausfüllte, der zwischen Lobby und Parkhaus eingebettet ist.

Peters Züge waren härter, konturierter als zuletzt, doch ich hätte nachrechnen müssen, um zu sagen, wie lange es her war, dass ich den Turm durch die Drehtür verlassen hatte, diese Drehschleuse in Turbinenform, die ich eben in die andere Richtung passiert hatte (ein Vorgang, bei dem portionsweise Außenluft in das Gebäude eingearbeitet wird), während Peter damals wie heute so getan hatte, als ob er mich nicht sehen könnte. Doch diesmal wollt ich ihm das nicht durchgehen lassen: Schön, dich zu sehen, sagte ich, und zwang ihm meinen Blick auf, der er nach kurzer Gegenwehr erwiderte.

Ich erinnere mich, dass ich weiter dachte, dass es mit evolutionärem Vorteil zu tun haben müsste, was keine große Erkenntnis ist, denn so ziemlich jedes menschliche Verhalten lässt sich mit evolutionärem Vorteil begründen. Darauf haben Jahrmillionen zuchtwahlgetriebener Entwicklung uns hingetrimmt: Auf das Bild eines Mannes im Kampfanzug, eines offen kampfbereiten Mannes wird mit sexuellem Interesse reagiert, zumindest, wenn er halbwegs attraktiv ist. Mit Fluchtbereitschaft auch und Aggression, zugegeben, in einem Mischverhältnis, das nicht zuletzt von der eigenen Ausrüstung abhängt, doch jedenfalls mit sexuellem Interesse. So einfach ist das, stellte ich fest, als ich an Duncans Seite den Lift betrat, Türsteher und Portier außen von lassend. Wie absurd es war, dass Duncan darauf bestanden hatte, mich zu begleiten, dachte ich noch, als ich ihn im Spiegel ansah, seine fast spiegelgleichen Hälften, die erst im weißen Haar am Oberkopf zusammen fanden, die krawattenbezeichnete Mittelnaht, entlang derer man so einen Mann idealerweise teilen können müsste.

(S. 7-8)

© 2012 Zsolnay Verlag, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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